GEMÄLDE ALTER MEISTER AUKTION 19. SEPTEMBER 2025
3045* LUDOLF BACKHUYSEN (Emden 1630–1703 Amsterdam) Zar Peter der Grosse in seiner Boeier vor Amsterdam. 1697. Öl auf Leinwand. Unten mittig auf dem Treibholz monogramiert: L.B. Unten mittig rechts auf dem Fass datiert: 1697. 55,2 × 79,5 cm. Provenienz: - Kunsthandel D. Komter, Amsterdam. - Auktion Mak van Waay, Amsterdam, 9.3.1926, Los 3. - Sammlung Bruyne, Amsterdam. - Auktion J. W. F. Haverkamp, Amsterdam, 5.6.1928. - Europäische Privatsammlung. - Auktion Sotheby's, London, 14.12.2000, Los 54. - Kunsthandel Richard Green, London, 2000. - Aussereuropäische Privatsammlung. - Europäischer Besitz. Ausstellung: Oxnard, California, Channel Islands Maritime Museum, als Leihgabe. Literatur: - "Czaar Peter de Grooter als zeiler", De Watersport, Bd. XI, 1922, Nr. 6, S. 117, Nr. 6 (mit Abb.). - Gerlinde de Beer: Ludolf Backhuysen 1630-1708, Zwolle 2002, S. 146, Abb. 178, Nr. 91. - Boudewijn Bakker, Jaap-Evert Abrahamse, Erik Schmitz: Bakker et al. Het aanzien van Amsterdam: plattegronden en profielen uit de Gouden Eeuw, Bussum 2007, S. 255 und 295, Fussnote 51 (als "Czar Peter's boeier before Amsterdam in August 1697"). Das hier präsentierte Gemälde von Ludolf Backhuysen zeigt Zar Peter I. den Grossen (1672–1725) in entspannter Atmosphäre auf einem Boeier im Gewässer bei Amsterdam, umgeben von nieder- ländischen und möglicherweise russischen Begleitern. Der Zar ist stehend in einem blauen, mit roten Details verzierten Mantel, am Heck des Bootes zu sehen. Der junge Peter reiste 1697 inkognito nach Westeuropa, um westliche Technologien und Lebensweisen kennenzulernen – insbesondere die der damals grössten Schifffahrtsnationen: die Niederlande und England. Schon in seiner Jugend hatte Peter grosses Interesse an der Seefahrt und dem Schiffbau entwickelt. Das Bild ist keine pompöse Darstellung eines Staatsbesuches, sondern ein Einblick in seine persönliche Neugier. Dieser Auf- enthalt in den Niederlanden legte wohl den Grundstein für seine Lebenslange Nähe zur westlichen Kultur. In Amsterdam lernte Peter unter anderem auch Nicolaes Witsen (1641–1717) kennen, Bürgermeister der Stadt und Schiffbau- Experte, der ihn mit führenden Persönlichkeiten und Techniken vertraut machte. Vermutlich war es auch Witsen, der dieses Bild in Auftrag gab, da dieser auch ein Freund von Backhuysen war. Denn Ludolf Backhuysen war schon damals einer der bedeutendsten niederländischen Marinemaler des 17. Jahr hunderts. Ursprünglich als Kaufmann tätig, entwickelte er grosses Talent in Kalligraphie und Federzeichnungen. Später erlernte er die Ölmalerei und spezialisierte sich auf dramatische maritime Szenen. Werke wie dieses zeichnen sich durch die für ihn typische atmosphärische Tiefe und präzise Schiffsdarstellung aus. Backhuysen genoss hohes Ansehen und wurde von bedeutenden Persönlichkeiten wie Cosimo III. de' Medici (1642– 1723) und Friedrich I. von Preussen (1657–1713) besucht. Laut demAutor von Künstlerbiografien Arnold Houbraken (1660–1719) gab er dem Zaren sogar Zeichenunterricht. Dieses Gemälde ist im RKD, Den Haag, unter der Nummer 8803 archiviert. CHF 40 000/60 000 (€ 42 550/63 830) 64
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