BÜCHER & AUTOGRAPHEN AUKTION 17. SEPTEMBER 2025

4042* Beckmann, Max. Apokalypse. Mit 27 eigenhändig kolorierten Original-Lithographi- en, davon 16 ganzseitig. Frankfurt a. M., Privatdruck der Bauer- schen Giesserei, 1943. Folio (40 × 31 cm). [1] w. Bll., 76 S., [2] Bll., [1] w. Bl. Blindgeprägter dunkelroter Maroquin-Handeinband von Christian Zwang, Hamburg mit Schuber. Der Deckeltitel in Anleh- nung an den Original-Pappband, dieser im Zuge der Neubindung entfernt und lose beiliegend. Hofmaier 330-356 - Gallwitz 287. - Erste Ausgabe. - Eines von nur 5 Exemplaren, die zweifelsfrei von Beckmann eigenhändig koloriert wurden. Die offizielle Gesamtauflage beträgt 24 Exemplare, dane- ben sind 17 weitere, nicht numerierte Exemplare bekannt, von de- nen wiederum 7 koloriert wurden. Der Zweite Weltkrieg war keine Zeit für Künstlerbücher. Erst recht nicht, wenn man wie Max Beckmann, als "entartet" diffamiert, im Exil in Amsterdam und dort wiederum unter deutscher Besatzung leben musste. An die Produktion eines Buchkunstwerkes war unter diesen Bedingungen eigentlich nicht zu denken. Und doch hatte der Frankfurter Industrielle, Sammler und Mäzen Georg Hart- mann (1870–1954) die Idee, eben dies zu tun – nicht zuletzt, um den isolierten Künstler zu unterstützen. Hartmann hatte einen grossen Vorteil: Er war Eigentümer der Bau- erschen Giesserei, einer der berühmtesten deutschen Schriftgies- sereien mit eigener Druckerei. Zwar fand die gesamte Buchproduk- tion unter den Bedingungen der Zensur statt. Dies galt aber erst für eine Auflagenhöhe ab 25 Exemplaren. Also schufen Beckmann und Hartmann, gemeinsam mit einer Reihe von Kurieren zwischen Amsterdam und Frankfurt, ein klandestines Meisterwerk als Pri- vatdruck mit einer offiziellen Auflage von 24 Stück. So wurde es möglich, im Druckvermerk den Anlass des Buches zu benennen: "Im vierten jahre des zweiten weltkrieges, als gesichte des apoka- lyptischen sehers grauenvolle wirklichkeit wurden, ist dieser druck entstanden." Weiter heisst es dort: "Die ersten fünf exemplare sind vom künstler persönlich mit der hand koloriert". Dieser Satz wurde bei den Exemplaren 6-24 und weiteren, unnumerierten Exempla- ren aus dem Druckvermerk entfernt und durch folgenden ersetzt "Die bilder des buches sind handkolorierte steinzeichnungen von Max Beckmann". Das vorliegende Exemplar trägt die handschrift- lich eingetragene Nummer 3 und ist für Heinrich Jost entstanden, dessen Name ebenfalls von Hand eingetragen wurde. Jost war seit 1923 bis noch bis zu seinem Tode 1948 künstlerischer Leiter der Bauerschen Giesserei, also offensichtlich auch in die Produktion des Werkes eingebunden. Wahrscheinlich geht auf ihn auch die Auswahl der Schrift für den Text zurück, die "Legende" von F. H. E. Schneidler. Die Frage der Kolorierung der Exemplare ist komplex und hat Forschung und Handel in den letzten Jahrzehnten immer wieder beschäftigt. So ist das von Beckmann selbst aufgetragene Kolo- rit ist nicht immer einheitlich, auch gibt es ausserhalb der ersten 5 Exemplare weitere, die ihm zugewiesen werden können. Unser Exemplar jedenfalls wird von der Beckmann-Forschung als eigen- händig koloriert geführt. Es liegt als Digitalisat vor: https://max- beckmann.org/aquarelle-pastelle/10203-apokalypse-exemplar-3 Das Papier ist gleichmässig minim gebräunt, der Erhaltungszu- stand des Exemplars ansonsten tadellos. - Provenienz: Auktions- haus Hauswedell, Auktion 35, Mai 1949. - Privatbesitz Deutsch- land. CHF 40 000/60 000 (€ 42 550/63 830) 24

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