BÜCHER & AUTOGRAPHEN AUKTION 17. SEPTEMBER 2025

4130 Newton, Isaac. Philosophiae naturalis principia mathematica. [Herausgegeben von Edmond Halley]. Mit zahlreichen Holzschnitt-Figuren im Text u. 1 gefalt. Kupfertafel. London, Joseph Streater für die Royal Society, "Prostat apud plures Bibliopolas", 1687. Kl.-4°. [4] Bll., 510 (recte 496, Paginierungssprung von 383 auf 400) S., [1] Bl. (Errata als Ersatz für das w. Bl. Ooo4). Halbleder des 19. Jahrhunderts mit goldgepr. Rückentitel u. Rückenvergoldung. In neuer Leinen- Kassette. Babson 10 - Dibner 11 - Grolier Science 78 - Evans 19 - Horblit, 100 Books famous in Science 78 - Norman 1586 - Osler 1024 - PMM 161 - Sparrow 151 - Todd E1 - Waller 12159 - Wing N-1048. - Erste Ausgabe. - Eines der bedeutendsten wissenschaftlichen Bücher aller Zeiten mit einer faszinierenden Schweizer Biographie. - "The most influential scientific publication of the seventeenth century" (Horblit). Kein Werk hat das naturwissenschaftliche Weltbild der Neuzeit bis zu Einsteins Relativitätstheorie so sehr geprägt wie Newtons Grundlegung der Gravitationstheorie und der klassi- schen Mechanik. Der Kosmos wurde durch diesen grossen Wurf zur beschreibbaren und berechenbaren Grösse. "Mit ihm ver- schwand die Unterscheidung zwischen natürlichen und überna- türlichen, zwischen irdischen und überirdischen Welten. Überall gelten die gleichen Bewegungsprinzipien und das gleiche Gra- vitationsgesetz. Zum ersten Mal konnte ein einfaches mathema- tisches Gesetz ebensogut die Bewegungen auf der Erde wie die Himmelserscheinungen erklären." (Carter/Muir, Bücher die die Welt verändern, S. 304). Der Astronom Edmond Halley (1656-1742), Sekretär der Royal So- ciety, war der Initiator des Werkes. Er suchte nach einem Beweis für die Keplerschen Gesetze und wandte sich deshalb im August 1684 an Newton in Cambridge, der ebendiese Beweise in der Schublade liegen hatte. Halley konnte ihn überzeugen, sein Werk zu vollenden und streckte auch die Druckkosten für die Principia vor. Dies brachte ihn in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, zu- mal die Royal Society nicht nur nichts beitrug, sondern auch sein Gehalt nicht in bar, sondern in Form von Büchern auszahlte. - Es existieren zwei Titelfassungen der Erstausgabe: Vorliegend der erste Zustand mit dem zweizeiligen Druckvermerk, ausserdem erschien noch eine Fassung mit dreizeiligem Vermerk und Nen- nung des Buchhändlers Samuel Smith. Die Auflagenhöhe des rein privat finanzierten Unternehmens ist nicht genau bekannt, dürfte aber insgesamt nur wenige hundert Exemplare umfasst haben. Zustand: Minimal gebräuntes, in den Rändern bisweilen gering stockfleckiges Exemplar, S. 134 mit winzigem Ausriss im weissen Unterrand. Kl. verwischter Tintenfleck auf dem Errata-Blatt. - Stem- pel der Eidgen. Sternwarte Zürich auf Vorsatz u. Titel (zweifach), der Bibliothek Basel auf Titel verso (mit Entwidmungsstempel). Provenienz: Unser Exemplar weist eine, insbesondere für die Wis- senschaftsgeschichte der Schweiz bedeutende Provenienz auf: Es gehörte einstmals der Basler Universitätsbibliothek und enthält wissenschaftsgeschichtlich hochinteressante Annotationen, die offenbar aus dem Umfeld der Basler Mathematiker-Dynastie der Bernoulli stammen: "Was dieses Exemplar zusätzlich interessant macht, sind die zahlreichen Korrekturvermerke und Randnotizen im Text. Eine genaue Untersuchung ergab, dass der Schreiber vor allem die Druckfehlerkorrekturen bei Buchstaben in mathemati- schen Formeln und geometrischen Figuren der zweiten Auflage in sein Exemplar der ersten Auflage übertragen hat. Auch hat er zum Beispiel einen Hinweis Newtons auf eine Stelle bei Apollonius am Rande bibliografisch verifiziert. Schliesslich hat er an einigen Textstelllen der ,Principia' zusätzlich am Rand kurze mathema- tische Beweise niedergeschrieben, die von Newton im Text nur angedeutet oder ganz ausgelassen worden sind. Da nur wenige Zeitgenossen Newtons seine Principia gelesen oder gar im Detail durchgearbeitet haben, muss es sich bei dem Schreiber der Noten um einen überdurchschnittlich begabten Mathematiker gehandelt haben. An erster Stelle würde sich hier Johann Bernoulli aufdrängen, des- sen Schrift tatsächlich gewisse Gemeinsamkeiten mit den Rand- noten unseres Exemplars aufweist. Doch auch Jacob Hermann käme als Vorbesitzer und Annotator in Frage. Andererseits könnte es sich beim Schreiber auch um einen anderen gewandten Ma- thematiker aus dem Bernoulli-Kreis gehandelt haben, der sich - vielleicht im Auftrag seines Lehrers - der undankbaren Arbeit des Vergleichs der Texte der zweiten und der ersten Auflage der Prin- cipia unterzog." (Fritz Nagel: Habent sua fata Principia / Newton in Basel. In: LIBRARIVM 53, H. 2, Sept. 2010, S. 99-110, Zitat S. 103). Im 19. Jahrhundert verkaufte die Basler Bibliothek das vorliegende Exemplar als Dublette. Später gelangte es in den Besitz der Eid- genössischen Sternwarte Zürich und von dort - offenbar nach Ab- wicklung derselben, über einen Tausch der ETH Zürich mit einem anderen bedeutenden Objekt in den Handel und schliesslich in Schweizer Privatbesitz, aus dem es erstmals bei Koller Auktionen 2014 versteigert wurde. - Auktion A170, Lot 353. - Seither wieder- um in Schweizer Privatbesitz. CHF 250 000/350 000 (€ 265 960/372 340) "Perhaps the greatest intellectual stride that it has ever been granted to any man to make" (Albert Einstein) 82

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