WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025

1120* SCHREITENDER BULLE Florenz, wohl Anfang 17. Jh. Nach einem Modell von Giambologna (1529–1608). Bronze mit rötlich-brauner Patina bzw. Resten von Goldlack. Natu- ralistisch gestalteter Stier mit angehobenem linkem Vorderbein, den Kopf mit lockigem Fell ebenfalls leicht nach links gerichtet und den Schwanz auf dem Rücken liegend. Auf rechteckigem, ebonisiertem Holzsockel. H 19 cm, L 23 cm (ohne Sockel). Bronze berieben und mit leichten Kratzern. Auf hinterer Bauchsei- te ein reparierter Gussfehler. Gutachten: Gutachten von Prof. Sandro Bellesi (Accademia di Belle Arti di Firenze), Dezember 2024. Dort als Arbeit von Antonio Susini. Provenienz: - Privatsammlung Paris. - Italienischer Besitz. Das Vorbild zu diesem schreitenden Bullen ist bei einem der be- rühmtesten Bildhauer der Renaissance, Giovanni da Bologna, be- kannt als Giambologna, zu finden. Die Literatur geht davon aus, dass sich Giambologna dabei von antiken Vorbildern inspirieren lassen hat. Modelle von schreitenden Bullen fanden Eingang in die Bestände der bedeutendsten Museen der Welt, wobei sich gene- rell zwei unterschiedliche Typen unterscheiden lassen, die beide dem Künstler Giambologna zugeschrieben werden. Eine eher naturalistische Version, wie die hier angebotene, die den Bullen mit massigem Körperbau und breitem, detailgetreuem Kopf zeigt sowie eine eher stilisierte Variante mit etwas leichterem Körper, schlankeren Läufen sowie schmalem und länglichem Kopf. Versionen des ersten Typus sind seltener. Ein sehr schönes Ex- emplar findet sich im Museo Nazionale del Bargello in Florenz (Inv.-Nr. 187B), abgebildet bei Charles Avery: Giambologna. The complete sculpture. Oxford 1987, S. 61, Abb. 67. Sie weist eben- so wie eine weitere, mit der im Bargello nahezu identische Bron- ze in der Hill Collection, den für Giambolognas frühe Tierbronzen typischen ovalen Sockel auf (vgl. Patricia Wengraf: Renaissance and Baroque Bronzes. From the Hill Collection. London 2014, S. 118/119). Anthony Radcliffe und Nicholas Penny vermuten, dass es sich bei dem Bullen im Bargello um die Version für Cosimo I. de Medici handelt, welche 1573 erstmals dokumentiert ist (Anthony Radcliffe, Nicholas Penny: Art of the Renaissance Bronze. 1500– 1650. The Robert H. Smith Collection. London 2004, 176-178). Das zweite Modell fand wesentlich grössere Verbreitung. Radcliffe und Penny vermuten, dass es sich hierbei um eine von Antonio Susini (1558–1624) verfeinerte Version handelt, als Susini noch in der Werkstatt von Giambologna arbeitete. Eine gut dokumen- tierte und Susini zugeschriebene Version dieses Stieres befindet sich in der Robert H. Smith Collection in London (Radcliffe/Penny 2014, S. 176). Auch das Museo Nazionale del Bargello verwahrt eine von Susini gegossene Variante dieses Bullen (Inv.-Nr. 277B) (Patricia Wengraf: Renaissance and Baroque Bronzes. From the Hill Collection. London 2014, S. 122, Fig. 2). Weitere Exemplare im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart (abgebildet bei H.R. Weihrauch: Europäische Bronzestatuetten. Berlin 1967, S. 227, Abb. 275) sowie im V&A London (Inv.-Nr. A.75-1949). Beide werden in die Zeit zwischen 1550 und 1620 datiert. Antonio Susini absolvierte vorerst seine Ausbildung bei Felice Tra- ballesi, bevor er in die Werkstatt Giambolognas eintrat und sich in der Kunst des Bronzegusses weiterentwickelte. Bis zur Grün- dung seines eigenen Ateliers im Jahr 1600 arbeitete er mit ihm zusammen. Auch nach der Werkstattgründung blieb Susini eng mit Giambologna verbunden. Noch bis zu dessen Tod 1608 spielte die Orientierung an dessen Modellen eine zentrale Rolle in seinem Schaffen. Während dieser Zeit spezialisierte er sich auf kleine bis mittelgrosse Bronzestatuen, wovon ein bedeutender Teil seines Werks Tierstatuetten repräsentieren, nach Entwürfen Giambolog- nas und antiker Vorbilder. Ein schriftlich vorliegendes Gutachten von Prof. Sandro Bellesi (Accademia di Belle Arti di Firenze) vom Dezember 2024 vermu- tet Antonio Susini als Giesser des hier angebotenen Bullen. Das Objekt wurde an der TEFAF in Maastricht angeboten. CHF 15 000/25 000 (€ 15 960/26 600) 112

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