WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025
1127* KREDENZ Renaissance, Italien, wohl Toskana, Mitte 16. Jh. Nussbaum geschnitzt mit Akanthusblattvoluten und Zierfriesen. Rechteckiger Korpus auf leicht vorstehendem geradem Sockel und Tatzenfüssen. Front mit zwei Schubladen über Doppeltüre, flankiert von geschnitzten Karyatiden. Eisengriffe, teils durch spätere Holzgriffe ersetzt. Eisenschloss (Schlüssel fehlt). 116 × 48 × 110 cm. Risse und Fehlstellen. Etwas zu überholen. Provenienz: Sammlung Arlette und Antony Embden, Frankreich. CHF 3 000/5 000 (€ 3 190/5 320) 1128* MAJOLIKA AMPHORENVASE Urbino, Werkstatt Patanazzi, um 1580. Mit seitlichen, doppelten Schlangenhenkeln über ockerfarben staffierten Maskarons. Bemalt auf beiden Seiten mit einer Vier- passkartusche in architektonischem Rahmen flankiert von zwei Putti, in ihrem Zentrum bemalt in Blau "camaïeu" mit Meereswe- sen, Triton und Nereide, auf weissem Fond mit Groteskenmalerei. H 52 cm. Restauriert. Provenienz: Sammlung Arlette und Antony Embden, Frankreich. Groteskendekor auf italienischer Majolika präsentiert sich, ausge- hend von Faenza, bereits im 15. Jh. in ganz unterschiedlichen Aus- führungen (Fiocco-Gherardi, La grottesca faentina, in: Italienische Fayencen, Nürnberg 2004, S.199ff). Drei Kategorien hatte John Mallet 2004 im Rahmen einer Grotes- ken-Typologie erstellt (Mallet, Compendiario Groteseque, Nürn- berg, 2004, S. 181-197). Die weissgrundigen Grotesken, wie sie Raffael 1515–19 für die va- tikanischen Loggien und in der Villa Madama in Rom, eingesetzt hatte, werden in Urbinos Werkstätten meisterhaft umgesetzt, ab den 1560er Jahren durch die Fontana–Familie und in vereinheit- lichter Form schliesslich ab 1580 in der Patanazzi–Werkstattt. Dass auch die benachbarten Werkstätten Casteldurante und Pe- saro und in der Folge auch andere entferntere italienische Produk- tionsstätten wie Deruta oder Montelupo um 1600–50 diesen po- pulären Stil aufgriffen, ist naheliegend. Eine "Pisa" signierte Vase von 1600 (Mallet 2004, s. 185) und ein Albarello, signiert "Roma Fecit" (Musée du Louvre, Majolique, 1974, S. 434 Nr. 1299) bestäti- gen die grossräumige Verbreitung und Popularität des Dekors von der Toskana bis nach Latium. CHF 3 000/5 000 (€ 3 190/5 320) 118
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