WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025
1131 BRONZEFIGUR EINES PFERDES MIT KNABEN Norditalien, frühes 16. Jh. Severo Calzetta da Ravenna (ca. 1465–1543) zugeschrieben. Bronze mit dunkler Patina. Darstellung eines sich aufbäumenden Pferdes, den Kopf mit offenem Maul nach rechts gewendet. Auf einer flachen, naturalistisch gestalteten Plinthe. H 23 cm, mit späterem Holzsockel 32 cm. Die Plinthe wohl beschnitten, Patina mit Kratzern, Bruchstelle. Provenienz: - Sammlung Walter Hugelshofer (1899–1987). - durch Erbfolge in Schweizer Privatbesitz. Ausstellungen: - Man and the Beast. Ausstellung von 18 europäischen Bronze und Elfenbeinskulpturen aus privaten Sammlungen in der Gale- rie Arthuro Cuellar-Nathan, Zürich, 5.12.1990 bis 25.1.1991. Vergleichbare Modelle finden sich im Cleveland Museum of Art (Vgl. William D. Wixom: Renaissance Bronzes from Ohio Collec- tions. Cleveland 1975, Nr. 77) sowie im Metropolitan Museum New York (Inv.-Nr. 64.101.1413), wobei dieses keinen Reiter trägt. Ersteres wird Andrea Riccio zugeschrieben, das zweite Severo da Ravenna. Alle drei sind in der Haltung und der Gestaltung des Pferdekopfes mit dem aufgerissenen Maul, der Gestaltung des Schweifes sowie der Hufe und Mähne sehr ähnlich. Heinz Schnei- der vermutet im Katalog des Museums von Cleveland den Ur- sprung bei einem antiken Vorbild bzw. bei einer Bronzegruppe des Bellerophon mit Pegasus von Bertoldo di Giovanni, heute verwahrt im Kunsthistorischen Museum Wien (Inv.-Nr. Kunstkammer, 5596, abgebildet bei: Wilhelm Bode. The Italian Bronze Statuettes of the Renaissance. New York 1980, Tafel IX). Ein weiterer Ursprung ist bei der Bronze eines sich aufbäumenden Pferdes von Bartolo- meo Bellano aus der Irwin Untermyer-Collection zu vermuten, da- tiert ins letzte Viertel des 15. Jh. (Yvonne Hackenbroch: Bronzes other Metalwork and Sculpture in the Irwin Untermyer Collection. Norwich 1928, Plate 10). Im Gegensatz zu den genannten Vorbildern von Bertoldo di Gio- vanni und von Bartolomeo Bellano ist die Gestaltung des Pferde- körpers weniger gedrungen und in der Ausformung der Muskula- tur naturalistischer und damit wesentlich näher dem Exemplar in Cleveland, welches zudem einen vergleichbaren Knaben als Rei- ter aufweist. Am Körper des Pferdes zeichnen sich im Bereich des Bauches sowie der Läufe feine Venen ab, ein Detail, welches sich sowohl bei einem verwandten Pferd mit reitendem Knaben in der Cà d'Oro in Venedig (Vgl. H.R. Weihrauch: Europäische Bronzesta- tuetten. Braunschweig 1967, S. 319, Nr. 386) als auch bei einer Bronze imMuseo Nazionale del Bargello (Vgl. Giovanni Mariacher: Bronzetti Veneti del Rinascimento. Vicenza 1971, Nr. 102) ersicht- lich ist. Beide werden Andrea Riccio zugeschrieben. CHF 18 000/28 000 (€ 19 150/29 790) 122
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