WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025

1135 ♣ RELIQUIENSCHATULLE MIT SILBERMONTUR Koloniale Arbeit für Portugal oder Spanien, 16./17. Jh. Schildpatt und Silber getrieben. Rechteckige Schatulle mit mehr- fach gewelltem Klappdeckel. Ziselierte Silbermontur mit Ranken- und Tierdekor. Erhabenes Schloss mit Vögeln und echsenarti- ges Reptil als Schliesse (kein Schlüssel). Seitliche Griffe sowie Zentralgriff auf dem Deckel. Rückseitiges rotes Wachssiegel mit dem Wappen des Kardinals Camillo Paolucci Merlini (1692–1763). 29,5 × 18,5 × 13,5 cm. Fehlstellen, Risse und Ergänzungen. Provenienz: - wohl Besitz des Kardinals Camillo Paolucci Merlini (1692–1763), Rom. - Schweizer Besitz. Solche Reliquienschatullen aus Schildpatt wurden im Auftrag der spanischen oder portugiesischen Kolonialmächte wahrschein- lich in der Region von Gujarat und Goa in Indien hergestellt. Die Schatullen erhielten ihre Silberbeschläge entweder in Goa oder nach ihrer Ankunft auf dem europäischen Kontinent. Die Motive der Silbermontur zeigen Einflüsse der Mogulkunst. Die Schatullen dienten in Europa als Reliquienbehälter oder als Ziborien. Ein sehr verwandtes Exemplar findet sich im Monasterio de San Lorenzo de el Escorial in Madrid (Inv.-Nr. 10044687, publiziert in: Urte Krass: "Naked Bones, Empty Caskets, and a Faceless Bust. Christian Re- lics and Reliquaries between Europe and Asia during Early Mo- dern Globalisation". In: The nomadic object; the challenge of world for early modern religious art. Intersections, Bd. 53. Leiden/Boston 2008, S. 378 mit Abb.). Jenes Stück gehörte König Philipp II. von Spanien (1527–1598). Weitere vergleichbare Stücke finden sich im Victoria & Albert Museum in London (Inv.-Nr. M.10&A-1945) oder im Asian Civilisations Museum in Singapur (Inv.-Nr. 2013-00941). Besonders die Schliesse in Echsenform und die Henkelform glei- chen stark unserem Stück. CHF 7 000/9 000 (€ 7 450/9 570) 126

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