WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025
1138* ♣ INTARSIERTES KABINETT AUF STAND Antwerpen, 2. Hälfte 17. Jh. und später. Ebenholz, Mahagoni und rot unterlegtes Schildpatt eingelegt in geometrischen Reserven gesäumt von Filets in Bein und Perlmutt. Die Innenfelder mit reichen Inkrustationen in Form von Blumen, Ranken und Blumenvasen. Rechteckiger Korpus auf vier Quetschfüssen mit architektonisch gegliederter Front. Zentrale Doppeltüre umgeben von zwölf Schubladen, die Doppeltüre gegliedert durch drei korinthische Halbsäulen. Öffnend auf fünf Schubladen. Vergoldete kugelige Messinggriffe (wohl später) mit reliefiertem Dekor. 2 Schlüssel. Teils späterer Stand auf vier durch ein Zwischentablar verbundenen, teils durchbrochen geschnitz- ten, sich nach unten verjüngenden sowie vergoldeten Beinen, Dekor in Form von Akanthusblättern, Blumen, Quasten und gedrechselten bzw. mit Akanthusblättern geschnitzten Füssen. Kabinett 92 × 39,5 × 60 cm, Stand 100 × 42 × 75 cm. Kleine Risse und Fehlstellen in Sockel. Kabinett mit Fehlstellen in Furnier sowie restauriert und mit einigen Ergänzungen. Beine und Füsse des Stands alt. Provenienz: Sammlung Arlette und Antony Embden, Frankreich. Dieses Kabinett zeichnet sich durch seine ingeniöse Lackeinlage- Technik aus, welche sich an asiatischen Lackarbeiten wie der japanischen sog. "namban"-Technik aus der Momoyama Periode (1573–1615) orientiert (Vgl. Monique Riccardi-Cubitt: The Art of The Cabinet. London 1992, S. 60 & 175, Nr. 28). Die Nachahmung von asiatischen Techniken weist auf den Antwerpener Ursprung des Kabinetts hin. Im 16. und 17. Jahrhundert erlebte Flandern eine Blütezeit in der Herstellung von luxuriösen Zierobjekten. Der Hafen von Antwerpen fungierte dabei als Drehscheibe für den Im- port und Export von kunsthandwerklichen Erzeugnissen. Beson- ders begehrt waren die aus dem Orient eingeführten Lackdosen und Kabinette, die mit seltenen Hölzern und kunstvollen Perlmutt- motiven eingelegt waren. Mit der wachsenden Nachfrage nach solchen Lackobjekten eigneten sich insbesondere in Antwerpen tätige Handwerker die ausländischen Techniken der Lackkunst an. Dass diese Künstler nicht blosse Nachahmer orientalischer Lackdekorationen waren, sondern eigenständigen Kreationen her- vorbrachten, lässt sich u. A. an einem Antwerpener Prunkkabinett auf Stand mit dazugehörigem Tisch aus dem Victoria & Albert Mu- seum nachvollziehen (Inv.-Nr. W.8:1 to 24-1965/W.7:1 to 4-1965). Jener Tisch ist ebenso mit reichem Rankenwerk und Arabesken eingelegt wie unser Kabinett. Wie bei unserem Möbel besteht die Technik darin ein eingeritztes Ebenholzfurnier mit einer Mischung aus Schellack und verschiedenen Farbstoffen auszufüllen. In be- stimmten Bereichen wurde die weiche Oberfläche zusätzlich mit Splittern aus farbigen Marmorsteinen oder Perlmutt bestreut und anschliessend poliert, um den aus Japan gefertigten "namban"- Lack zu imitieren. Ein weiteres Vergleichsstück im Bezug auf die Ornamentik findet sich an einem Prunkkabinett im Museum MOU in Oudenaarde (ohne Inv.-Nr.). CHF 15 000/20 000 (€ 15 960/21 280) 128
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