WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025

1160* KERZENSTOCK Louis XIV, Paris, um 1680. Vergoldete und ziselierte Bronze. Abnehmbarer oberer Teil mit zwei geschweiften, blattgeschmückten Lichtarmen mit baluster- förmiger Tülle und Tropfteller mit godroniertem Rand um balus- terförmigen Zentralaufsatz. Der Kerzenstock mit Lambrequins, Rosetten und "Fleurs-de-Lys"-Zierfriesen auf Trompetenfuss. H 31 cm. Vergoldung berieben. Gebrauchsspuren. Provenienz: Sammlung Arlette und Antony Embden, Frankreich. CHF 3 000/5 000 (€ 3 190/5 320) 1161* ♣ KABINETTPENDULE "TÊTE DE POUPÉE" MIT BOULLE-MARKETERIE Louis XIV, Paris, um 1710/15. Das Werk signiert Gaudron à Paris (Pierre Gaudron, Meister 1695). Kartuschenförmiges Gehäuse auf Rechtecksockel und Bronze- Tatzenfüssen. Eiche geschwärzt mit Boulle-Marketerie in "contre partie" von Zinnlegierung, Messing und braun/rot unterlegtem Schildpatt in Form von Arabesken, Vögeln, Blattranken und Voluten. Vergoldete Bronzezier in Form von Blüten mit Kelchblät- tern und Blattfriesen. Vier Wirbelrosetten markieren die Mitte von Voluten, welche den Konturverlauf akzentuieren. Der bogenförmi- ge Giebel von fünf Öllampen bekrönt. Das Fronton mit dunklem Samt bezogen und mit vergoldetem Zifferring belegt, graviert mit römischen Stunden- und arabischen Minutenziffern. Schön gravierte, durchbrochen gearbeitete Zeiger. Werk mit Ankergang sowie Halbstundenschlag auf Glocke. 27 × 17 × 50 cm. Furnier mit Fehlstellen, Reparaturen und wenigen losen Teilen. Werk zu revidieren. Rückseitige Türe ersetzt. Gutachten: Gutachten Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Ottobrunn, 28.5.2025. Provenienz: - Belgischer Besitz. - Koller Auktionen Zürich, 19.9.2013, Lot 1082. - Deutscher Privatbesitz, bei obiger Auktion erworben. Die Bezeichnung "tête de poupée" dieses Uhrentypus geht auf die Gehäuseform zurück. Sie ist charakteristisch für die Formenspra- che des Louis XIV und stark beeinflusst von Arbeiten des André- Charles Boulle (1642–1732). Der Entwurf dieser Pendule kann auf Zeichnungen von Daniel Marot (1663–1752) zurückgeführt wer- den, die im "Nouveau Livre de boîte de pendules, de coqs et étuys de montres et autres nécessaires aux orlogeurs" publiziert wurden (abgebildet bei: Pierre Kjellberg: Encyclopédie de la pendule fran- çaise du Moyen Age au XXe siècle. Paris 1997, S. 41, Abb. B, C, D). Pierre Gaudron wurde 1695 in Paris zum Uhrmachermeister und später zum Hofuhrmacher des Königs Louis XIV sowie des Regen- ten Philipp II. von Orleans. Vergleichbare Pendulen dieses Typus, teils unterschiedlich im Dekor sowie in der Gestaltung des Frontons, sind abgebildet bei Tardy: La pendule française. Teil I, Des origines au Louis XV. Paris 1974, S. 96, 97. Darunter eine Pendule aus demMusée de Dijon, si- gniert P. du Chesne mit sehr ähnlicher Formensprache (Ebd. S. 97, Nr. 1). Eine weitere sehr ähnliche Pendule befindet sich als Teil des Royal Collection Trust auf Schloss Windsor (Inv.-Nr. RCIN 30078). Ein vorliegendes Gutachten von Prof. Dr. Hans Ottomeyer vom Mai 2025 resümiert: "Die singuläre Pendule in so aufwändiger wie kunstfertiger Gestaltung ist ein gelungenes Kunstwerk der Pariser Hofkunst. Die sparsamst gesetzten Schildpattstreifen und filigra- nen Ornamente sind vollkommen in die "Marqueterie" integriert und handwerklich perfekt fugenlos in die Flächen der unterschied- lichen Materialien eingearbeitet." CHF 12 000/18 000 (€ 12 770/19 150) 148

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