WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025
schneise offenbar zu einer fortgeschrittenen Phase in der stilisti- schen Entwicklung des Bildhauers, der üblicherweise in grösse- rem Massstab arbeitete. Getz-Preziosi nennt unser Exempel wohl deshalb auch ein "kleines Juwel" innerhalb des "Karo"-Gesamt- oeuvres. Das vorliegende Kykladenidol stellt indes auch wegen seiner namhaften Provenienz einen Glücksfall für Sammlerinnen und Sammler dar. Es gilt als gesichert, dass das Idol einst Teil der Pri- vatsammlung des Bildhauers Jacob Epstein (New York 1880–1959 London) war (Vgl. William B. Fagg: The Epstein Collection of Tribal and Exotic Sculpture. Ausstellungskatalog für the Arts Council of Great Britain. London 1960, Nr. 321.). Jacob Epstein war eine zent- rale Figur des Londoner Kunstbetriebs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vor allem als Sammler trug er wesentlich dazu bei, die Sichtbarkeit indigener bzw. sog. "exotischer" Kunst aus Afrika, Amerika und Ozeanien im westlichen Kunstbetrieb zu erhöhen. Geboren als Sohn osteuropäisch-jüdischer Einwanderer, studier- te Epstein Malerei und Bildhauerei in New York und in Paris an der Académie Julian und der École des Beaux-Arts, bevor er sich 1905 dauerhaft in London niederliess. 1954 wurde er zum Ritter geschlagen. Das Interesse für frühgriechische Werke entdeckte er bei seinen Besuchen im Louvre bzw. ab 1905 im British Muse- um, wo er sich intensiv mit den Elgin Marbles sowie mit griechi- schen, ägyptischen, afrikanischen und polynesischen Skulpturen beschäftigte. Nach Jacob Epsteins Tod erwarb der italienische Sammler Carlo Monzino (Mailand 1933–1996 Schweiz) in den 1960er Jah- ren einen Grossteil seiner Sammlung, darunter auch unser Idol. Monzino wiederum zog in den späten 1960er Jahren ins Tessin nach Castagnola (Schweiz). Monzinos Sammeltätigkeit über- schnitt sich mit derer Jacob Epsteins. Über vierzig Jahre lang sam- melte er hochqualitative Stammeskunst sowie zeitgenössische Nachkriegskunst. CHF 180 000/250 000 (€ 191 490/265 960) 34
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