WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025

1061 HERAUSRAGENDE SAMMLUNG VON 312 SIEGELMATRIZEN 13. Jh.–17. Jh. Überwiegend Italien, teils Frankreich und Deutschland. Verschiedene Metalle graviert und ziseliert, darunter Bronze pati- niert, Bronze vergoldet sowie Silber. Die Siegelmatrizen in einem eigens gefertigten Nussbaum-Kasten mit individuellen, durch- nummerierten Plätzen für das jeweilige Siegel. Die Schubladen innen mit rotem Samt ausgeschlagen. Kasten: 50 × 37 × 75 cm. Zusammenfassung nach Typus Kirchliche Siegelmatrizen: Kardinal (Nr. 1), Bischöfe (Nr. 2–6), Bischofsamt (Nr. 7), Scriniarius (Nr. 8), Protonotar (Nr. 9), Schreiber (Nr. 10), Kanoniker (Nr. 11–21), Erzpriester (Nr. 22–24), Erzdiakone (Nr. 25–26), Propste (Nr. 27– 28), Pfarrer (Pievano) (Nr. 29–31), Prioren (Nr. 32–34), Rektore (Nr. 35), Priester (Nr. 36–42), Kleriker (Nr. 43), Kirchliche Würdenträger unbekannten Ranges (Nr. 44–45), Kirchen (Nr. 46–48), Kapitel (Nr. 49–52), Äbte (Nr. 53–63), Provinzoberer (Nr. 64), Konventualprio- ren (Nr. 65–67), Mönche (Nr. 68–80), Klöster (Nr. 81–89), Kirchen- sprüche (Nr. 90–94) Weltlich-zivile Siegelmatrizen: Gemeinden (Nr. 95–99), Städte, Ländereien und Burgen (Nr. 100–102), Militärbünde (Nr. 103), Zünfte (104–106), Richter (Nr. 107–112), Notare (Nr. 113–117), Doktoren ius. (Nr.118–119), Pfalzgrafen (Nr. 120–121), Patronat (Nr. 122), Statthalter (Podestà) (Nr. 123) Familiennamen und persönliche Siegelmatrizen: Sortiert von A–Z (Nr. 124–274). Darunter Familiennamen wie Pietro Alamanni (Nr. 127), Zanobi di Betto de Bardi aus der glei- chen Familie wie der Künstler Donatello (Nr. 141), der Venezianer Francesco Bembo (Nr. 145), der frz. Architekt Jacques Caron (Nr. 158), Fregosino Fregoso, Sohn von Paulo Fregoso, Dogen der Republik Genua (Nr. 182), Cante de Gabrielli, dem Podestà, der die Verbannung Dantes initiierte (Nr. 183), Andrea Loredan (Nr. 216), Federico Pio di Carpi (Nr. 234), Tommaso Todini, Podestà von Florenz (Nr. 263) Restliche Siegelmatrizen: Sinnspruch (Nr. 275), symbolisch-piktorale ohne Umschrift (Nr. 276–302), Undefinierbare (Nr. 303–312) Provenienz: - gem. mündlicher Überlieferung ehemals Privatsammlung Leo Planiscig (1887–1952). - durch Erbschaft in heutigen Schweizer Privatbesitz, vom Erb- lasser in den 50/60er Jahren erworben, mit handschriftlichem Verweis auf Leo Planiscig. Die vorliegende Siegelsammlung umfasst 312 Exponate, wovon der Grossteil aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammt. Die um- fangreiche Sammlung ist weder auf eine bestimmte Region noch auf einen bestimmten Siegeltyp beschränkt, wobei sich eine Vor- liebe für italienische Siegel herauskristallisiert. Die Vielfalt der Sammlung ist minutiös in einem Begleitdossier fotografiert, inven- tarisiert und klassifiziert. Gemäss mündlicher Überlieferung sowie handschriftlicher Erwähnung wurde die vorliegende Sammlung vom berühmten Kunsthistoriker Leo Planiscig (1887–1952) zu- sammengetragen. Ob das Inventar von Planiscig stammt kann nicht sicher bestätigt werden. Die Präzision und die wissenschaft- liche Herangehensweise des Dossiers sprechen wohl aber dafür. Gemäss mündlicher Überlieferung wurde die Siegelsammlung, so wie sie in der heutigen Form vorliegt, in den 1950er Jahren erwor- ben und blieb durch Erbfolge im gleichen bedeutenden Deutsch- schweizer Privatbesitz. Siegelsammlungen von diesem Umfang sind selten und in man- cherlei Hinsicht bedeutend. Eine vergleichbare Sammlung, "The Schøyen Collection of Medieval seal matrices" wurde im Juli 2019 bei Christie’s in London versteigert. Andere wichtige Sammlun- gen, wie bspw. "Corvisieri" im Palazzo Venezia in Rom oder die reiche Sammlung an Siegelmatrizen im Museo del Bargello sind hier nennenswert. Die hier vorgestellte Siegelsammlung zeichnet sich nicht nur durch die Qualität ihrer Exponate in historischer und künstlerischer Hinsicht aus, sondern auch in Bezug auf die aus- gezeichnete Kuration und Inventarisierung, welche wohl auf den Vorbesitzer und vermutlichen Sammler, den bedeutenden Kunst- historiker Leo Planiscig zurückzuführen ist. Leo Planiscig wurde 1887 im österreichischen Görz, gelegen an der Verbindungsstrasse zwischen Wien und Venedig geboren. Planiscig studierte in Wien klassische Archäologie und Kunst- geschichte bei Julius von Schlosser, mit besonderem Interesse an den Bildhauern der italienischen Gotik und Renaissance und promovierte mit einer Dissertation zur "Geschichte der venezia- nischen Skulptur des XIV. Jahrhundert". Planiscig wurde 1914 nach der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand von Öster- reich-Este, dessen Berater in Kunstfragen er war, zum Kustos des Kunsthistorischen Museums Wien. Wichtige Sammlungskataloge der "Estensischen Kunstsammlung" (1919) sowie der "Bronze- plastiken – Statuetten, Reliefs, Geräte und Plaketten" (1924) wa- ren Früchte dieser Arbeit. 1933 wurde Planiscig zum Direktor der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe ernannt. Neben zahlrei- chen wichtigen Publikationen zum Thema der Renaissance Plas- tik, eine Monographie zum bedeutenden Bildhauer Andrea Riccio (1927), beriet der umtriebige Kunsthistoriker auch private Skulptu- rensammler, was etwa im Katalog der Wiener Sammlung Camillo Castiglione "Collezione Camillo Castiglioni: Catalogo dei Bronzi" (1923) oder im Ersten Teil zur "Sammlung Dr. Albert Figdor" (1930) Niederschlag fand. Die an ein erweitertes Publikum gerichtete Serie von Bildermonographien der bedeutendsten Bildhauer der Renaissance, Donatello, Lorenzo Ghiberti, Lucca della Robbia, Verrocchio, Desiderio da Settignano und Rosselino (zwischen 1939 und 1942) erhöhte die Bekanntheit Planiscig’s über das Fachpublikum hinaus. Diese Monographien verfasst er in Florenz, wohin er 1938 übersiedelte und bis zu seinem Tode 1952 lebte. 44

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