WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025
1067 RELIQUIENKÄSTCHEN Limoges, 13. Jh. Holzkern mit teils vergoldetem, graviertem sowie emailliertem Kupferbeschlag. Rechteckiger Korpus auf flächigen Eckstollen- füssen und Giebeldach mit durchbrochen gearbeiteter Galerie (spätere Ergänzung). Front sowie frontseitiges Dach mit grossen und kleinen Rauten in Blau und Türkis. Die Rückseite und rück- seitiges Dach mit sechs stilisierten Blüten in runden Reserven in Blau, Türkis, Rot und Weiss. Die Rosetten ursprünglich besetzt mit rautenförmigen Plaketten, wohl Engelsköpfe darstellend. Auf den Seitenwandungen die Darstellung von zwei gravierten Heiligenfiguren. Vorderseite mit aufklappbarem Deckel. Schloss und Schlüssel fehlen. Die Unterseite mehrfach beschriftet: in roter Farbe "Richetti 2/(. 82. Ill 35/20. B.248", in Schwarz "35" sowie unleserlich in Gelb "?.4". Späterer Holzkern beschriftet "2/8. 82 Richetti Üb. 35/20" sowie "35". Klapptüre ebenfalls beschriftet "2/8 Bardini 82". 14,5 × 5,5 × 15,5 cm. Frontseitiges Dach sowie Frontlade aus der Zeit, evtl. assortiert. Gebrauchsspuren und Fehlstellen. Giebel und Holzkern ergänzt. Ein in Bezug auf die Gestaltungselemente der Frontseite sowie der Seitenwandungen sehr ähnliches Kästchen befindet sich im Mu- sée de Cluny in Paris. Es wird ins zweite Viertel des 13. Jh. datiert. Diese sog. "Châsse" weist auf der Gegenseite drei Heiligenfiguren in mandelförmigen Reserven und auf demDach drei Engelsfiguren auf. Vgl. Marie-Madeleine S. Gauthier: Emaux Limousins Chample- vés des VIIe XIIIe & XIVe siècles. Paris 1950, Pl. 30 und S. 155. Die Annotationen könnten evtl. auf vorherige Besitzer verweisen. Mit dem Namen Ricchetti verbindet man einen venezianischen Antiquitätenhändler aus dem 19. Jh. Die Beschriftung "Bardini" könnte auf Stefano Bardini (1836–1922) verweisen. Letzterer war ein wichtiger italienischer Renaissance Kenner, dessen Samm- lung u. A. bei Christie’s 1902 verkauft wurde. CHF 12 000/18 000 (€ 12 770/19 150) 60
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