WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS AUKTION 18. SEPTEMBER 2025

1107* ISTORIATO SCHAUPLATTE MIT FAMILIENWAPPEN Renaissance, Venedig, um 1570. Wohl Orazio Fortezza (bzw. Horacije Fortezza, Šibenik, ca. 1530–1596) Messing graviert und teils geschwärzt. Die Fahne mit Darstellung von drei Medaillons von römischen Staatsmännern dazwischen in Kartuschen drei Schlachtszenen, gerahmt von Rankenwerk mit Fabelwesen. Im Spiegel ein Schlachtengewimmel mit Soldaten und Reitern auf Pferd, drei Banner bezeichnet SPQR bzw. PON. Wohl Darstellung der Schlacht von Pharsalus oder eine Schlacht zwischen Römern und Barbaren. In der Mitte ein Prunkwappen, wohl einer italienischen Familie (evtl. Collalto). Ø 50 cm. Loch im Rand, kleinere Dellen und Bereibungen. Provenienz: Sammlung Arlette und Antony Embden, Frankreich. Der in Šibenik (Kroatien) geborene Künstler Orazio Fortezza, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts tätig war, zeichne- te sich durch die Herstellung von hochwertigen Metallobjekten wie Prunkgefässen, Krügen und Schüsseln aus, die in einer von Milan Pelc veröffentlichten Monografie einem breiteren Publikum präsentiert wurden (Vgl. Milan Pelc: Horacije Fortezza, šibenski zlatar i graver 16. Stoljeća. Zagreb/Sibenik 2004). Fortezzas Ob- jekte waren aufgrund ihrer Raffinesse nicht für den alltäglichen Gebrauch bestimmt, sondern sollten die prunkvollen Residenzen wohlhabender Auftraggeber verschönern, zu denen sicherlich auch venezianische Adelsfamilien gehörten. Die damalige Region Dalmatien war der Republik Venedig unterstellt, weshalb Orazio Fortezza viele seiner Luxusobjekte direkt in die Lagunenstadt ver- treiben konnte. Das Dekor unserer Schauplatte, insbesondere die bis auf Details identische Darstellung im Spiegel, orientiert sich stark an einem Exemplar aus dem V&A in London (Inv.-Nr. M.163-1951). Die Lon- doner Schauplatte wird zwischen 1555–57 datiert und enthält das Prunkwappen der venezianischen Familie Foscari. Die Darstellung im Spiegel kann laut Ausstellungskatalog des Museums Šibenik als die Schlacht von Pharsalos (oder gr. Pharsalos) identifiziert werden. Sie fand am 9. August 48 v. Chr. in der Nähe von Phar- salos (Thessalien, Griechenland) statt. Sie war die entscheiden- de Schlacht im Krieg zwischen Caesar und Pompeius. Prof. Mi- lan Pelc vermutet hingegen, dass es sich eher um eine Schlacht zwischen Römern und Barbaren handelt. Die Inschrift PON auf der Flagge bedeutete wahrscheinlich POENI (Karthager) und es handle sich demnach eher um eine Schlacht zwischen Römern und Karthagern. Aus dem Katalog des Stadtmuseums Šibenik anlässlich der Ausstellung "The Mystery of Master Fortezza" (9.10.2024–11.10.2024) gibt es einen sehr interessanten Hinweis zur möglichen Provenienz unserer Platte. Das Londoner Exemplar aus dem V&A (Inv.-Nr. M.163-1951) stammt aus der ehem. Samm- lung von Sir Francis Cook und wurde 1951 in die Sammlung inte- griert. Charles Oman, ein damaliger Kurator des V&A-Museums, schlug für die Akquisition ebenfalls einen zweiten identischen Teller aus der Cook-Sammlung vor. Dieser wurde aber von der da- maligen Direktion abgelehnt, weil das zentrale Motiv auf beiden Tellern identisch und der zweite Teller beschädigt sei. Ein zweiter, unidentifizierter Teller verschwand demnach in einer unbekannten Privatsammlung. Wohlmöglich, dass dies unser Teller ist. Aufgrund der Verbindung zwischen Antony Embden und London scheint es plausibel, dass die zweite Schauplatte aus der Cook Sammlung in die Hände von Embden kam. Andere Elemente wie die antikisierenden Medaillons von römi- schen Herrschern an der Fahne finden sich in ähnlicher Form auch an einem Waschbecken mit dem Wappen der Familie Taglia- pietra aus dem Museo Correr (Inv.-Nr. Cl. XI N. 0759, Vgl. dazu den Beitrag von Michele Asolati & Cristina Crisafulli: Oracio Fortezza da Sebenico fece: un bacile all’antica nelle Collezioni del Museo Correr di Venezia. In: Letteratura, arte, cultura tra le due sponde dell’Adriatico V. Zara 2014, S. 231–266). Das Prunkwappen auf un- serer Platte kann nicht mit Sicherheit einer bestimmten Familie zu- geschrieben werden. Aufgrund der Heraldik und in der Annahme, dass ein venezianisches Geschlecht diese Platte in Auftrag gab, käme die Familie Collalto infrage. Wir danken Prof. Dr. Milan Pelc für seine Unterstützung bei der Ka- talogisierung dieses Objekts anhand von Fotos (Zürich, 5.8.2025). CHF 10 000/15 000 (€ 10 640/15 960) 98

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