IMPRESSIONISMUS & MODERNE 28. NOVEMBER 2025
3225* FRANCIS PICABIA (1879 Paris 1953) Les peupliers, Grez-sur-Loing, temps gris. Um 1906–09. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: Picabia. Verso auf dem Keilrahmen signiert, betitelt und datiert: F. Picabia, Les peupliers, Grez sur Loing, temps gris 1909. 65 × 81 cm. Gutachten: Olga Picabia, Paris, 20.7.1998 (in Kopie vorhanden). Provenienz: - Privatsammlung Paris. - Sammlung Docteur et Madame André Granjon, Paris, 1958 von obiger Sammlung erworben. - Privatsammlung Paris, 2006 von obiger Sammlung erworben. - Auktion Millon & Associés, Paris, 21.11.2014, Los 55. - Richard Green Gallery, London, an obiger Auktion erworben. - Privatsammlung Frankreich, in obiger Galerie erworben. Literatur: William A. Camfield, Beverley Calté, Candace Clements u.a: Francis Picabia. Catalogue raisonné, Bd. II, 1898–1914, Brüssel 2014, S. 281, Nr. 348 (mit Abb.). Um 1902 beginnt Picabia, sich intensiv mit dem Impressio- nismus auseinanderzusetzen. Er bewundert die Werke von Camille Pissarro, Alfred Sisley und Claude Monet, deren Darstellungsweise von Licht, Atmosphäre und unmittelbarer Naturwahrnehmung ihn inspiriert. 1903 stellt er erstmals im Salon des Indépendants und im Salon d’Automne aus. Diese Teilnahme markiert seinen Durchbruch: Er kann sich als pro- fessioneller Maler etablieren, erhält positive Kritiken und ver- kauft erfolgreich seine Bilder. Zwischen 1906 und 1909 arbeitet Picabia überwiegend aus- serhalb von Paris, in Dörfern wie Moret-sur-Loing und Grez- sur-Loing. Dort entwickelt er eine eigene, helle und bewegte Malweise, die sich durch eine frei gesetzte Pinselführung und eine zunehmende Auflösung der Konturen auszeichnet. Seine Sujets sind Flusslandschaften, Pappelhaine und Dorfszenen, in denen das wechselnde Licht und die atmosphärischen Be- dingungen im Vordergrund stehen. Das Gemälde "Les peupliers, Grez-sur-Loing, temps gris" lässt sich dieser Schaffensperiode zuordnen. In diesem Werk zeigt sich Picabias intensive Beschäftigung mit der Wiedergabe von Licht und Bewegung. Die Bäume sind mit kurzen, dichten Strichen ausgeführt, die eine pulsierende Oberflächenstruktur erzeugen. Die kühlen Blau- und Grüntöne reflektieren das ge- dämpfte Licht eines bewölkten Tages, während punktierte Pig- mentsetzungen auf die Einflüsse des Pointillismus verweisen. Um 1908 wird seine Farbpalette kräftiger. Die Kontraste neh- men zu, teilweise erinnert die Farbwirkung an die Fauves, de- ren Experimente mit intensiven, reinen Tönen er aufmerksam verfolgt. Diese Veränderung bleibt jedoch stets in Balance mit seiner strukturellen Klarheit, denn Picabia interessiert sich weniger für reine Farbexplosionen als für das Zusammenspiel von Licht, Fläche und Form. Picabias impressionistische Phase ist zwar relativ kurz, aber entscheidend. Sie markiert den Übergang von der naturbezogenen Beobachtung hin zur bewussten Konst- ruktion von Bildwirkungen. Diese Zeit ebnet den Weg, der Picabia ab 1909 zu abstrakten Experimenten führt und in seine späteren Phasen des Kubismus, Dadaismus und Surrealismus mündet. CHF 200 000/300 000 (€ 215 050/322 580) 32
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