IMPRESSIONISMUS & MODERNE 28. NOVEMBER 2025
3229 REMBRANDT BUGATTI (Mailand 1885–1916 Paris) Cerf en marche. Um 1906. Bronze, schwarze Patina. Guss vor 1934. Unten auf der Plinthe signiert und nummeriert: R. Bugatti / (6). Daneben mit dem Giesserstempel: CIRE PERDUE A.-A. HÉBRARD. 50 × 51 × 15 cm. Gutachten: Véronique Fromanger, Versoix, 28.7.2025. Provenienz: Schweizer Privatbesitz, seit mehreren Generationen in Familienbesitz. Literatur: - Véronique Fromanger: Rembrandt Bugatti sculptor. A meteoric rise. Répertoire monographique, Paris 2016, S. 286, Nr. 93 (mit Abb. anderer Guss). - Mary Harvey: The bronzes of Rembrandt Bugatti. An illustrated catalogue and biography, London 1979, S. 58, Nr. 71 (mit Abb. anderer Guss). - Jacques Chalom Des Cordes und Véronique Fromanger: Rembrandt Bugatti. Catalogue raisonné, Paris 1987, S. 136 (mit Abb. anderer Guss). Wir danken Véronique Fromanger für die Bestätigung der Authentizität des Werks. Während Rembrand Bugatti in Paris und Antwerpen lebt, verbringt er viel Zeit in den zoologischen Gärten. Dort be- obachtet er die exotischen Tiere genau und modelliert an- schliessend seine Skulpturen direkt vor Ort. Der sensible Einzelgänger liebt die Tiere: Kamele und Leoparden, aber auch einheimische Geschöpfe wie Hirsche oder Esel be- rühren ihn tief. Er modelliert Tiere, weil die Menschen ihm keinen solchen Reichtum an Formen bieten können. Anders als viele Animaliers, Bildhauer, die auf Tiere spe- zialisiert sind, seziert Bugatti seine Motive nicht, sondern füttert sie liebevoll, spricht mit ihnen und spürt ihren Cha- rakter. 1908 dienen ihm sogar zwei lebende Antilopen als Modell in seinem Atelier – eine Leihgabe aus dem Zoo von Antwerpen. Diese Nähe überträgt sich auf sein Werk: Der hier dargestellte Hirsch wirkt nicht wie ein Symbol oder ein dekoratives Motiv, sondern wie ein lebendiges Wesen von kraftvoller Präsenz. Die Haltung des Kopfes, die Bewegung, die Spannung in den Beinen – all das betont das Individuel- le mehr als das Typische. Auch die zwei Leoparden – wohl ein Männchen, das sich dem Weibchen von hinten nähert – erscheinen als leben- dige Individuen mit Seele und Gefühlen, deren Würde und Eleganz in Bronze gebannt sind (Los 3230). Der Kriegsausbruch trifft den ohnehin empfindsamen Künstler schwer. Nach der Besetzung Antwerpens 1914 wird der Zoo geschlossen und als Lazarett genutzt; viele der ihm vertrauten Tiere verschwinden. Die Grausamkeit des Krieges hält er nicht aus, und so setzt Rembrandt Bugatti im Jahr 1916 seinem Leben ein Ende. CHF 100 000/150 000 (€ 107 530/161 290) 38
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