POST-WAR & CONTEMPORARY 27. NOVEMBER 2025
3525* ABOUDIA (ABDOULAYE DIARRASSOUBA) (Abengourou 1983–lebt und arbeitet u.a. in Brooklyn) Ohne Titel. 2018. Acryl, Ölkreide, Sprühfarbe und Collage auf Leinwand. Mittig rechts signiert und datiert: ABOUDIA 18. 150 × 149 cm. Gutachten: Aboudia Foundation, Bingerville. Provenienz: - Galerie Santa Maria, Abidjan. - Privatsammlung Schweiz, in obiger Galerie erworben. Nach den Präsidentschaftswahlen 2011 flammt in der Re- publik Côte d'Ivoire der Bürgerkrieg wieder auf. Anders als viele seiner Kollegen bleibt Aboudia in Abidjan und hält die Kriegsgräuel in seinen Werken fest. Sein Beharren darauf, vor Ort zu bleiben, macht ihn einer grösseren internationa- len Öffentlichkeit bekannt. Aboudias künstlerische Handschrift ist unverkennbar. In- spiriert von Graffitis, die er in seiner Heimatstadt Abidjan findet, und traditionellen Holzschnitzarbeiten Westafrikas, erschafft er grossformatige Gemälde mit Acryl, Ölkreiden und Collagen aus gefundenen Materialien. Seine Figu- ren scheinen schnell und skizzenhaft gemalt, Augen und Münder sind durch das wiederholte Übermalen betont. Die Verwendung unterschiedlichster Techniken, aber auch die pastose und übereinandergeschichtete Malwei- se verleihen seinen Gemälden Dynamik und Tiefe. Die Verwandtschaft zu den Werken Jean-Michel Basquiats ist unbestritten, aber auch Einflüsse von Jean Dubuffet und Cy Twombly sind nicht von der Hand zu weisen. Das hier angebotene Werk ist ein herausragendes Bei- spiel seines künstlerischen Schaffens. Die Figuren stehen dicht aneinander gedrängt, fast klaustrophobisch. Inten- sive Farben treffen auf streng gezeichnete Konturen und tiefschwarze Partien. Sowohl seine Farbwahl als auch die dynamische Malweise strahlt eine ungefilterte Energie aus, die aber gleichzeitig durch die teils skelettartigen, teils frat- zenhaften Köpfe ins Albtraumhafte driftet. Diese gekonnt eingesetzten Gegensätze machen die Faszination seiner Gemälde aus. Aboudia setzt sich in seiner Kunst mit der Wirklichkeit ei- ner jungen Generation auseinander, die auf den Strassen Abidjans aufwächst. Gekonnt schafft er Reminiszenzen an die Umgebung, in der sie leben: Die Graffitis, die ein Teil seiner Bildsprache sind, aber auch die als Collage verwen- deten Materialien, die auch die Jugendlichen benutzen. Sie wachsen in einer kinderunfreundlichen Umgebung am Rande einer Gesellschaft auf, die durch die Erfahrungen immer wieder aufflammender, blutiger Konflikte geprägt ist. Die schonungslose Auseinandersetzung mit der Wirk- lichkeit und die eindrückliche künstlerische Umsetzung, lassen Aboudias Werke vor Energie und Leben strahlen. CHF 20 000/30 000 (€ 21 510/32 260) 138
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