POST-WAR & CONTEMPORARY 27. NOVEMBER 2025
3457 ARNALDO POMODORO (Morciano di Romagna 1926–2025 Mailand) Continuum. 2010. Bronze. 9-teilig. Mit der eingravierten Signatur und Datierung unten rechts: Arnaldo Pomodoro 2010. 186 × 430 cm. Gutachten: Arnaldo Pomodoro (Künstlerzertifikat), Mailand, Juli 2011 (Nr. 869). Provenienz: - Künstlerstudio. - Galerie Tornabuoni Art, Paris. - Privatsammlung Schweiz, in obiger Galerie 2011 erworben. Ausstellung: Paris 2011, Tornabuoni Art Paris/Crans-Montana, 11.3.–18.6.2011. Arnaldo Pomodoro gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkei- ten der italienischen Nachkriegskunst. Er ist dieses Jahr, am 22. Juni 2025, einen Tag vor seinem 99. Geburtstag, verstorben. Sei- ne Arbeiten weisen Bezüge zum Konstruktivismus, zur Konkreten Kunst und zur Arte Povera auf, entziehen sich jedoch einer eindeu- tigen Kategorisierung. Durch ihre formale Klarheit und ihre semio- tische Offenheit stehen sie ebenso in einem Spannungsverhältnis zur Minimal Art wie auch zur Conceptual Art. Arnaldo Pomodoro wird 1926 inMorciano di Romagna geboren, ei- ner Kleinstadt in der historischen Landschaft der Emilia-Romagna. Kurz nach seiner Geburt zieht die Familie nach Orciano di Pesaro in der benachbarten Region Marken, wo Pomodoro aufwächst. Die ländlich geprägte Umgebung, aber auch die Erfahrung der politischen Umbrüche der Zeit, prägen seine frühe Sensibilität für Struktur, Ordnung und Brüche; Themen, die später eine zentrale Rolle in seiner künstlerischen Arbeit spielen. Zunächst entscheidet sich Pomodoro für eine technische Ausbil- dung. Er besucht eine Fachschule für Vermessungstechnik, wo er ein tiefes Verständnis für Raum, Mass und Konstruktion ent- wickelt. Zugleich arbeitet er in der Nachkriegszeit im öffentlichen Hochbau, eine Tätigkeit, die ihn in unmittelbare Berührung mit der physischen Realität von Architektur, Material und Wiederaufbau bringt. Diese Phase schärft nicht nur sein Gespür für Statik und Struktur, sondern öffnet auch den Blick für die ästhetischen und symbolischen Dimensionen von Form und Funktion. Parallel dazu entwickelt Pomodoro ein wachsendes Interesse an Kunst und insbesondere am Bühnenbild. Er nimmt Unterricht in Szenografie, arbeitet an Theaterproduktionen mit und nimmt an ersten Ausstellungen teil. Seine frühen bildnerischen Experimen- te bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Kunsthandwerk und moderner Plastik: Er gestaltet Reliefs, Schmuckstücke und kleine Objekte, wobei er mit verschiedenen Metallen wie Silber, Blei und Kupfer arbeitet. Die Oberflächen dieser Arbeiten zeigen bereits ein komplexes Spiel von Linien, Kerben und Schraffuren, frühe Vorboten seiner späteren Auseinandersetzung mit Struktur und Tiefe. Im Jahr 1954 zieht Pomodoro nach Mailand, das sich in dieser Zeit als kulturelles Zentrum Italiens neu definiert. Dort begegnet er führenden Vertretern der italienischen Nachkriegsavantgarde, etwa Lucio Fontana, dessen Konzepte von Raumdurchdringung und materieller Geste ihn nachhaltig beeinflussen. In dieser At- mosphäre intensiver intellektueller Auseinandersetzung beginnt Pomodoro, seine eigene künstlerische Sprache zu entwickeln. Ein entscheidender Wendepunkt tritt Ende der 1950er-Jahre ein, als Pomodoro in die USA reist. Dort begegnet er der amerikani- schen Moderne und sieht Werke von David Smith, Louise Nevel- son, Henry Moore und Constantin Brancusi. Der Eindruck dieser Reisen, besonders der direkte Kontakt mit monumentaler Skulptur, verstärkt seinen Wunsch, mit plastischen Mitteln nicht nur Form, sondern auch Idee und Raum zu gestalten. Die Erkenntnis, dass eine Skulptur zugleich architektonisch, mechanisch, symbolisch und emotional lesbar ist, wird zum Ausgangspunkt für seine wei- tere Entwicklung als Bildhauer. Das Material der Bronze spielt eine tragende Rolle in Pomodoros Schaffen. Sie ermöglicht sowohl plastische wie texturale Qualitäten: feste Form, Polierbarkeit, aber auch die Möglichkeit zur Bearbeitung, zum Einfügen von Struktur und Patina. 62
RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2