POST-WAR & CONTEMPORARY 27. NOVEMBER 2025

3473 UGO RONDINONE (Brunnen 1962–lebt und arbeitet u.a. in New York City) SIEBZEHNTERMAINEUNZEHNHUNDERTNEUNUND- ACHTZIG. 1991. Tinte auf Papier. Mit der betitelten originalen Acrylglasplakette: SIEBZEHN- TERMAINEUNZEHNHUNDERTNEUNUNDACHTZIG. 156 × 260 cm. Im originalen Holzrahmen des Künstlers. Provenienz: - Galerie Walcheturm, Zürich. - Privatsammlung Schweiz, in obiger Galerie 1991 erworben. Mit seinen Waldzeichnungen knüpft Ugo Rondinone an eine lange Tradition romantischer Landschaftsdarstellun- gen an, in der die Natur nicht als blosses Abbild, sondern als Spiegel innerer Empfindungen verstanden wird. Rondi- none greift historische Landschaftsmotive auf, inszeniert sie in grossem Massstab neu und übersetzt sie in eine zeitgenössische Bildsprache. Mit schwarzer Tinte entwi- ckelt er eine vibrierende Struktur aus Stämmen und Ästen, die in ihrer Dichte und Präszision sowohl an die filigranen Walddarstellungen Johann Christian Reinharts als auch an die fantastisch übersteigerten Baumwesen Carl Wilhelm Kolbes erinnern. Der Wald tritt dabei nicht als realistisch beobachtete Landschaft auf, sondern als imaginierter, verdichteter Raum. In ihm verschränken sich Bedrohung und Geborgenheit, eine Ambivalenz, die Rondinone durch markante Hell-Dunkel-Kontraste noch verstärkt. Das Gross- format gibt dem scheinbar klassischen Sujet eine unge- wohnte Präsenz, die die Betrachtenden unmittelbar in das Geschehen miteinbezieht. Das ausgeschriebene Datum im Titel der Arbeit verweist auf den Moment ihrer Entste- hung und verleiht der Zeichnung eine tagebuchartige Qua- lität. Der Wald wird so zu einer Reflexion von Rondinones innerer Welt, in der Natur und Künstler unweigerlich mitei- nander verschmelzen. CHF 60 000/90 000 (€ 64 520/96 770)

RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2