GRAFIK & MULTIPLES 27. NOVEMBER 2025
3677 ANDY WARHOL (Pittsburgh 1928–1987 New York City) Grevy's Zebra. 1983. Farbserigrafie. 123/150. Unten mittig mit Bleistift signiert: Andy Warhol, sowie verso mit dem Copyrightstempel des Künstlers. Blattmass 96,4 × 96,2 cm auf Lenox Museum Board. Erschienen bei Ronald Feldman Fine Arts, New York City. Gedruckt von Rupert Jasen Smith, New York City (mit dem Blindstempel). Aus dem 10-teiligen Portfolio "Endangered Species". Provenienz: - Pop and Contemporary Fine Art, Singapur. - Privatsammlung Schweiz, in obiger Galerie 2012 erworben. Werkverzeichnis: Feldman/Schellmann, Nr. II.300. 1983 widmet sich Andy Warhol in seiner Serie "Endan- gered Species" einem für ihn zunächst ungewöhnlichen Sujet: Er fertigt 10 farbintensive Serigrafien von vom Aus- sterben bedrohten Tierarten an, so auch von "Grevy’s Ze- bra". Die Serie entstand auf Anregung seiner Galeristen und engen Freunde Ronald und Frayda Feldman, beken- nenden Umweltaktivisten, die Warhol stets ermutigten, sein künstlerisches Vokabular für politische Anliegen zu öffnen. Das abgebildete Grevyzebra, die seltenste aller Zebraarten, ist in Ostafrika beheimatet und zählt heute zu den bedroh- testen Grosssäugetieren der Welt - weniger als 2.000 Ex- emplare leben noch in freier Wildbahn. Warhol inszeniert das Tier mit der ikonischen Bildsprache der Pop-Art: kraft- volle Farben, ein prägnanter, isolierter Bildausschnitt und die serielle Präsentation erinnern bewusst an seine be- rühmten Porträts von Marilyn Monroe oder Elvis Presley. So wird nicht nur ein Zebra abgebildet, sondern er erhebt die Tiere durch die Art der Darstellung quasi zu "animal ce- lebrities", zu stilisierten Popstars der Artenvielfalt. Die Wahl der Serigrafie als Medium betont die paradoxe Spannung zwischen der Einmaligkeit eines bedrohten Le- bewesens und der prinzipiellen massenhaften Reprodu- zierbarkeit durch das Druckverfahren - eine Dichotomie, die Warhols gesamtes Œuvre durchzieht. Wie schon in politisch aufgeladenen Serien wie "Ladies and Gentlemen" (1975), einem Porträtzyklus über die Drag- und Transgen- der-Community, zeigt sich auch hier Warhols Fähigkeit, ge- sellschaftliche Randthemen mit der Ästhetik der Popkultur zu verbinden und die oftmals vergessenen, weil scheinbar anstrengenden politischen Themen wieder salonfähig zu machen. "Grevy’s Zebra" ist, gemeinsam mit den weiteren Darstel- lungen der "Endangered Species"-Serie, also mehr als eine reine Tierdarstellung: Es ist ein Manifest für den Kampf um Sichtbarkeit von unbequemen Wahrheiten und ein State- ment zur Rolle der Kunst im Spannungsfeld von Gesell- schaft, Medienwirksamkeit und politischem Engagement. CHF 60 000/80 000 (€ 64 520/86 020) 58
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