GEMÄLDE ALTER MEISTER 27. MÄRZ 2026
3076* JEAN-BAPTISTE GREUZE (Tournus 1725–1805 Paris) Bildnis eines Mädchens, wohl die Tochter des Künstlers, Louise- Gabrielle Greuze (1764–1812). Öl auf Leinwand. 40,1 × 32,3 cm. Provenienz: - Sammlung Dr. Anton Philips (1874-1951), Villa De Laak, Eindho- ven. - Durch Erbfolge an heutige Besitzer, Privatsammlung Niederlan- de. Das vorliegende, bisher unpublizierte Bildnis eines Mäd- chens, das wohl die Tochter des Künstlers, Louise-Gabrielle Greuze dastellt, ist eine eigenhändige Version des Gemäldes im Musée Jacquemart-André in Paris (Inv.-Nr. MJAP-P 1236, siehe Florence Gétreau: MuséeJacquemart-André. Peintures et dessins de l’écolefrançaise, Paris 2011, Nr. 36, mit Abb.), und überzeugt durch den für Greuze typischen pastosen Farbauftrag in Partien des Gesichtes und der Kleidung des dargestellten Mädchens. Bemerkenswert sind auch die virtuos gesetzten Pinselstriche, mit denen Greuze den Faltenwurf des Stoffes wiederzugeben vermag. Wie Florence Getreau erklärt, lässt sich die Identifikation des dar- gestellten Mädchens als Louise-Gabriell auf die starken physio gnomischen Ähnlichkeiten zu einer weiteren Darstellung von Louise von ähnlicher Grösse zurückführen. Dieses Gemälde, das signiert und 1766 datiert ist, befindet sich heute zusammen mit einem Gegenstück, das die Schwester Anne Genevieve zeigt, in einer Privatsammlung und wurde bereits zu Lebzeiten vom Zeit- genossen Gabriel de Saint Aubin als Louise-Gabrielle identifiziert (Siehe Ausst.-Kat. Jean-Baptiste Greuze. L'enfance en lumière, Paris 2025, S. 55 und 58–59, Kat.-Nr. 9 und 10). Greuze Tochter stand mehrfach dem Vater Modell, so unter anderem in einem Gemälde, dass Greuze mit grossem Erfolg im Pariser Salon 1767 ausstellte und dass ein Mädchen mit Hund zeigt (ibid. S. 55 und 57, Kat.-Nr. 10). Obwohl die Identität des Mädchens in unserem Fall bekannt ist, darf dieses Gemälde weniger als ein Porträt, sondern vielmehr als ein "Tête d’ après nature" bzw. "Tête d’expression" angesehen werden, ein Genre, das sich Greuze zu seiner Spezialität mach- te. Siehe zu dieses Genre: Yuriko Jackall: Jean-Baptiste Greuze et ses têtes d’expression. La fortune d’un genre, Paris 2022. Bereits 1755 hatte Greuze seine erste "Tête d’ après nature" im Pariser Salon ausgestellt. Damit gelang es ihm ein damals neues Gen- re in der Malerei vorzustellen, womit er vor allem die Sentimen talität in der Malerei versuchte auszudrücken im Stile der Tronies der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Seine Bildnisse erfreuten sich grosser Beliebtheit, besonders bei englischen Sammlern, da sie den Zeitgeist aufgriffen. Diese Sentimentalität sowie der teilweise pädagogische Ansatz seiner Malerei sollte wiederum in der Folge dazu führen, dass seine Malerei an Ge- fallen verlor. Greuze Blick auf das Kind und seine Erziehung rückt aber besonders zuletzt wieder in den Fokus des Interesses und führt zu einer grossen Nachfrage nach diesen stimmmungs vollen Kinderdarstellungen. Wir danken Alan Wintermute für die Bestätigung der Autorschaft anhand einer Fotografie. CHF 15 000/20 000 (€ 16 300/21 740) 110
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