GEMÄLDE ALTER MEISTER 27. MÄRZ 2026
3081 FRANÇOIS BOUCHER (1703 Paris 1770) Felsige Flusslandschaft mit zwei jungen Männern. 1761. Öl auf Leinwand. Unten mittig auf dem Stein signiert und datiert: F. Boucher 1761. 56,8 × 87 cm. Provenienz: - Sammlung Louis Watel Dehaynin (1885–1972) und Antoinette Céleste Watel-Dehaynin (geb. Lasson, 1890–1962), Normandie, Frankreich. - Sammlung Fanny (1917–2023) und Bernard Watel (1909–2000) nach 1972, Lausanne. - Durch Erbschaft an heutigen Besitzer. Mit einer kunstwissenschaftlichen Analyse von Dr. Françoise Joulie (20.1.2026), wofür wir ihr danken. Sie wird dieses Gemälde in ihre Publikation über François Boucher aufnehmen, die in Kürze erscheinen wird. Wie auch bei Los 3072 geschildert, gestaltete François Boucher mehrere Entwürfe für Wandteppiche. Bereits 1735 war er als Dekorateur am Theater und an der Oper tätig und er gestaltete die Bühnendekoration für die berühmte Ballettoper "Les Indes galan- tes" von Jean-Philippe Rameau (1683–1764). Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die hier angebotene Landschaft als Entwurf für eine Bühnenausstattung konzipiert wurde. Seine bildnerischen Werke für Bühnendekorationen lassen sich häufig nur schwer eindeutig zuordnen, da die zeitgenössischen Beschreibungen nicht immer präzise genug sind. Bekannt ist, dass François Boucher bis 1748 für die Königliche Oper tätig war; bislang wurde jedoch lediglich die Skizze des Stückes "Hameau d’Issé" von 1741 identifiziert ("Hirtenlandschaft mit Fluss", heute in der Alten Pinakothek München, Inv.-Nr. HUW 1). Darüber hinaus arbeitete er ab 1743 für das Théâtre Foire Saint-Laurent, dessen Archivbestände im Brand des Pariser Rathauses verloren gingen. Zwischen 1761 und 1766 war Boucher erneut für die Königliche Oper sowie für das Théâtre des Tuileries tätig. Die hier angebotene Landschaft, datiert auf das Jahr 1761, stammt aus eben diesem Zeitraum. Im selben Jahr wurde das Stück "L’Armide" von Jean-Baptiste Lully (1632–1682), dem bekannten Komponisten und Violinisten zurzeit Ludwig XIV. (1638–1715) in Paris wieder aufgeführt. Boucher fertigte für diese Aufführung ein Bühnen-Dekoration an, die heute leider nicht mehr erhalten ist, aber in der zeitgenössischen Zeitschrift ‘Mercure de France’ wie folgt beschrieben wird: "Eine einzelne Felsmasse; der Him- mel steht in Harmonie zu diesem Schreckensort und vollendet die erstaunliche Dekoration." Es ist daher denkbar, dass die vorliegende Landschaft ein Entwurf für ein grösseres Bühnen- bild war, das bei Lullys Inszenierungen Verwendung fand. Im Werkverzeichnis von Ananoff wird die entsprechende Kompo- sition zwar verzeichnet, jedoch mit deutlich grösseren Massen (Paysage au torrent", Öl auf Leinwand, signiert und datiert f. Boucher, 1767, 133 × 219 cm. Siehe Alexandre Ananoff: François Boucher, Bd. II, Lausanne-Paris 1976, S. 276, Nr. 647, mit Abb.). Das Werk demonstriert zudem Bouchers Virtuosität in der Landschaftsmalerei, einem Spezialgebiet, das ihn besonders faszinierte, weil es als Hintergrund für seine pastoralen und historischen Szenen diente. Zwischen 1727 und 1731 reiste er nach Italien, wo er die Umgebung von Tivoli und Rom intensiv studierte. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich fanden seine Eindrücke von den Gärten der Farnese und des Campo Vaccino grossen Anklang. Gegen 1740 wandte er sich verstärkt ländli- chen Landschaften zu, die nicht idealisiert, sondern durch ge- naue Beobachtung der Natur geprägt waren. Noch vor seiner Ernennung zum Premier peintre du Roi und Direktor der Königlichen Akademie für Malerei und Bildhauerei im Jahr 1765 war Boucher als Hofmaler für König Ludwig XV. (1710–1774) sowie für Madame de Pompadour, Herzogin von Ménars, tätig. Die Vorfahren der Familie Watel, in deren Besitz sich die Skizze seit mehreren Generationen befunden hat, er- warben 1879 das Château de Ménars in der Region Centre- Val-de-Loire, ein Anwesen, das zuvor Madame de Pompadour gehörte. Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass das vorliegende Gemälde ursprünglich Teil der Sammlung der Marquise de Pompadour gewesen sein könnten. CHF 100 000/150 000 (€ 108 700/163 040) Dr. Françoise Joulie wird dieses Gemälde und Los 3072 anlässlich unserer Highlights-Ausstellung in Genf, Rue de l'Athénée 2, am 11. März 2026 um 18 Uhr vorstellen. 118
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