GEMÄLDE ALTER MEISTER 27. MÄRZ 2026
3026 JOACHIM BEUCKELAER (1533 Antwerpen 1574/75) Das Urteil des Salomon. 1562. Öl auf Holz. Mittig datiert und monogrammiert: 1562 JB. 63,5 × 91,1 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Dargestellt ist die Episode aus dem Alten Testament mit dem Urteil des Salomon, bei dem sich zwei Frauen um ein Kind streiten und dieses für ihr eigenes ausgeben. Eines der Frauen hatte ihr eigenes im Schlaf erdrücktes Kind der anderen Frau untergescho- ben, um so an deren Kind zu gelangen. König Salomon wird als Richter um Hilfe gebeten, um zu urteilen, wer die rechtmässige Mutter des Kindes ist. Diese farben- und detailvielfältige Darstellung von Joachim Beuckelaer konnte kürzlich in einer Schweizer Privatsammlung entdeckt werden. Es handelt sich hierbei um ein bedeutendes Beispiel aus den Anfangsjahren Beuckelaers Tätigkeit als eigen- ständiger Künstler in Antwerpen. Geboren 1533 in Antwerpen lernte Beuckelaer zunächst bei seinem Onkel Pieter Aertsen (1508–1575) bis zu dessen Umzug nach Amsterdam im Jahre 1556. Beuckelaer war geprägt von Aertsens Markt- und Küchendarstellungen, eine Thematik die er zeit seines Lebens beibehielt und wodurch die Gattung des eigenständigen Stilllebens massgeblich etabliert wurde. Belebt sind die Stilllebenkompositionen durch biblische Szenen mit grossfigurigen Darstellungen. 1560 wurde Beuckelaer Meister der Antwerpener Sankt Lukasgilde, wo er bis zu seinem Lebensende 1576 auch tätig blieb. Dr. Wouter Kloek, dem diese hier angebotene Arbeit bislang unbe- kannt war und dem wir für seine wissenschaftliche Unterstützung danken, ist von der Eigenhändigkeit anhand einer Abbildung über- zeugt. Die Datierung 1562 lässt sich in das Frühwerk des Meisters verorten. Die Arbeit kann mit einer Serie von Zeichnungen in Ver- bindung gebracht werden, die Wouter Kloek in die Zeit um 1560– 1565/7 datiert (Siehe Wouter Kloek:l "De tekeningen van Pieter Aertsen en Joachim Beuckelaer" in Nederlands Kunsthistorisch Jaarboek, Bd. 40, 1989, S. 129–166). Diese fanden als Entwürfe für Glasfenster in grossem und kleineren Massstab Verwendung. Bemerkenswert ist, dass diese Zeichnungen fast ausschliesslich religiöse Themen aufgreifen, wie auch in unserem Fall. Zwei eben- falls 1562 datierte Zeichnungen (Historisches Museum, Frankfurt, siehe Abb. 1, und British Museum, London) zeigen zahlreiche Stil- elemente und Motive, die in unserer Arbeit aufgegriffen werden. So die Gewandungen der einzelnen Personen, ihre Haltung und die architektonische Hintergrundkulisse. Vertiefte technologische Untersuchungen mittels Infrarotreflek- tografie lassen ferner zahlreiche Unterzeichnungen erkennen, die die künstlerische Virtuosität vor Augen führen (siehe Abb. 2). Die stilistische Linienführung der Unterzeichnungen lassen sich auch mit anderen Werken des Künstlers vergleichen, die Margreet Wolters in ihrer Publikation aufführt (siehe Drawing, Underdrawing, Painting: Compositional Evolution in the Wor- king Process of Joachim Beuckelaer, in: Journal of Historians of Netherlandish Art, 2012, Bd. 4, 2, S. 1 ff.). CHF 30 000/50 000 (€ 32 610/54 350) Abb. 1 Joachim Beuckelaer, Entwurf zu einem Glasgemälde aus der Geschichte des Herodes und der Herodias, 1562. 41,9 × 21 cm. Feder/Tuschezeichnung. © Historisches Museum Frankfurt, C09278 32
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