GEMÄLDE ALTER MEISTER 27. MÄRZ 2026

vonMitgliedern der Sankt Lukasgilde beimBürgermeister und den Rats- herren der Stadt Antwerpen eingereicht und ein Monat später bewilligt wurde. Diese war vom Ratsherrn Michiel Claessens und 21 weiteren Paneelenmachern, Spiegelhandwerkern und Rahmenmachern lanciert worden. In demSchreiben personalisieren sich dieMeister mit ihren per- sönlichenMotiven oder Initialen, die sie auch auf ihre Tafeln einbrannten (Abb. 2). So auchMichiel Claessens Kleeblatt, welches rückseitig auf un- serer Tafel zu erkennen ist und sogar zweimal angebracht wurde. Prof. Jørgen Wadum, dem wir ebenfalls für seine wissenschaftliche Hilfe danken, hebt bei unserer Tafel hervor, dass diese Marken von ausgezeichneter Qualität sind und die Holzplatte in ihrer ursprüng- lichen Bearbeitung erhalten ist. Die markanten Werkspuren der Holzoberfläche belegen dies. Die erkennbare Antwerpener Brand- marke klassifiziert Wadum als Nr. 1, die im Zeitraum von 1617–1626 Verwendung fand (siehe auch Jørgen Wadum: The Antwerp Brand on Paintings on Panel, in: Looking through Paintings, hrsg. von Erma Hermens, London 1998, S. 189, Tafel 2). 1570 veröffentlichte der Verleger Hieronymus Cock (1518–1570) eine Jahreszeitenfolge aus vier Kupferstichen. Zwei dieser Kupferstiche basieren seitenverkehrt auf Zeichnungen von Pieter Brueghel d. Ä. ("Frühling", Albertina Wien und "Sommer", Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle). Ungeklärt bleibt, warum Pieter d. Ä. nicht auch den "Herbst" und "Winter" als Vor- lagen beisteuerte. Ein möglicher Grund wird in der Wissenschaft der frühe Tod des Meisters vermutet. "Herbst" und "Winter" wurden von Hans Bol (1534–1593) gezeichnet und für die Sti- che verwendet. Unsere Komposition des Schweineschlachtens basiert auf der herbstlichen Version aus der Kupferstichserie. Ob unser Gemälde einst Teil einer vollständigen Jahreszeitenfolge entstand, ist nicht ganz bewiesen, aber sehr wahrscheinlich, ins- besondere da davon auszugehen ist, dass unser Gemälde 1935 aus der Sammlung Mme Mallet de Choisi in London mit den drei weiteren Jahreszeiten versteigert wurde. Die notariell beglaubigte Autorschaftsbestätigung von Marguerite Schulthess, Basel, aus demselben Jahr lässt vermuten, dass die Serie in diesem Jahr ge- trennt und die Werke einzeln verkauft wurden. Klaus Ertz nennt neben der 1622 datierten und in London verstei- gerten Folge die einzige heute noch in Museumsbesitz befindli- che Serie in Bukarest im Nationalmuseum sowie zwei weitere 1624 datierte komplette Folgen (Auktionen Fischer, Luzern, 1927, Lose 14–17/Christie's London 2016, Los 6 und Sotheby's London 1972/ Galerie L. Koetser 1972 (Ertz 1988/2000, S. 542)). Die bei uns zu erkennende, wunderbar erhaltene Signatur P. BREVGHEL ist typisch für den Künstler, die er in dieser Weise ab 1616 verwendete, während diese zuvor noch an die väterliche Schreibweise P. BRVEGHEL angelehnt war. Die zusätzliche Datie- rung 1622 liefert ein wertvolles Merkmal und lässt das Werk pro- minent in das Oeuvre integrieren. CHF 300 000/500 000 (€ 326 090/543 480) 37

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