GEMÄLDE ALTER MEISTER 27. MÄRZ 2026

3002 CESARE DI GIOVANNI FALOPPI (tätig zwischen 1441–um 1484 in Bologna) Madonna mit Kind. Um 1455. Tempera und Goldgrund auf Holz. Unten auf der Kante signiert: cexar · iohis · de · falopiis. 65,7 × 41 cm. Provenienz: - Sammlung Riccardo Gualino (1879–1964), Turin. - Schweizer Privatsammlung seit mehreren Generationen. Literatur: - Ausst.-Kat. Dagli ori antichi agli anni Venti. Le collezioni di Riccardo Gualino, Mailand 1982, S. 56, Kat.-Nr. 33 (als Jacobus de Falopis). - Emilio Negro: "Giovanni di Pietro Falloppi da Modena, 1453– 1454", in: Ausst.-Kat. Il tempo di Nicolò III. Gli affreschi del Castello di Vignola e la pittura tardogotica nei domini estensi, Modena 1988, S. 99, Abb. 77 (als Cesare, Sohn von Giovanni da Modena). - Walter Angelelli und Andrea De Marchi: Pittura dal Duecento al Primo Cinquecento nelle fotografie di Girolamo Bombelli, Milano 1991, S. 140, Kat.-Nr. 258 (als Cesare di Giovanni Faloppi). - Andrea De Marchi: "Faloppi, Giovanni di Pietro", in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 44, 1994 (online). Mit einer schriftlichen Expertenmeinung von Mina Gregori, als Cexar Johannis de Falopiis (16.11.1970). Mit einer kunsthistorischen Analyse von Prof. Gaudenz Freuler, Januar 2026. Die vorliegende Tafel zeigt die thronende Madonna mit dem Kind auf ihrem Schoss. Sie sitzt in einer leicht ausladenden Haltung auf einem schlichten hölzernen Thron, der isoliert auf einer Blumen- wiese steht. Ihre Pose wird durch den reichen, elegant drapierten Stoff zusätzlich betont. In der rechten Hand hält sie eine weisse Rose, Symbol ihrer jungfräulichen Reinheit, während sie mit der linken ihren göttlichen Sohn umfasst, der das Buch der Heiligen Schrift in den Händen hält. Nicht durch grosse Gesten, sondern durch den innigen Blick- kontakt entfaltet sich die stille Interaktion zwischen Mutter und Kind. Dabei strahlt das Bild eine feierliche Ruhe aus, die durch die klassisch-ausgewogene Haltung der Gottesmutter eine schlich- te, aber eindrucksvolle Monumentalität erreicht. Diese Haltung verweist letztlich auf die Ideale der florentinischen Renaissance. Wie aus der Signatur hervorgeht, handelt es sich bei dem hier in Rede stehenden Madonnenbild um ein seltenes Werk des Sohnes des berühmteren Malers Giovanni di Pietro Faloppi, besser bekannt als Giovanni da Modena (1379–1455), der aus Modena stammte, jedoch hauptsächlich in Bologna tätig war. Über Cesare Faloppi ist nur wenig überliefert. Stilistische Ana- lysen lassen jedoch darauf schliessen, dass sich seine künst- lerische Laufbahn über weite Strecken in enger Nähe zu jener seines Vaters vollzog. Ein direktes Zeugnis dieser Zusammen- arbeit ist die gemeinsame Entlohnung der beiden Künstler im Jahr 1451 für Arbeiten an den Kirchenfenstern von Santa Maria dei Servi in Bologna und kürzlich identifizierte Fresken in der dortigen Basilika Santo Stefano, die um 1450 entstanden sein dürften. Das hier gezeigte Tafelbild kann stilistisch dem Spätwerk Giovanni da Modenas nahegestellt werden. Die typologische Nähe des Madonnengesichts zur Darstellung der Annunziata in den Glasfenstern des Doms von Modena, ein Werk, das Giovanni 1453 vermutlich mit seinem Sohn realisierte, legt eine Entstehung um die Mitte des 15. Jahrhunderts nahe, wahr- scheinlich um 1455. Als das bislang einzige sicher dokumentierte Tafelbild Cesare Faloppis nimmt die vorliegende Madonna eine be- deutende Stellung innerhalb der bolognesischen Malerei des Quattrocento ein. Sie zeugt nicht nur von der engen Verbindung zwischen Vater und Sohn, sondern gibt zugleich einen sel­ tenen Einblick in die Ausprägung eines Werkstils im Übergang zwischen Spätgotik und Frührenaissance. Dieses Gemälde ist im digitalen Archiv der Fondazione Zeri un- ter der Nummer 27751 archiviert. Wir danken Prof. Gaudenz Freuler für die wissenschaftliche Un- terstützung bei der Katalogisierung dieses Loses. CHF 20 000/30 000 (€ 21 740/32 610) 4

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