WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 26. MÄRZ 2026

106 1099 HARLEKIN MIT TAUBE Meissen, um 1743–45. Modell von Johann Friedrich Eberlein. Auf einem Felssockel mit Vogelkäfig sitzend, eine weisse Taube in der rechten angehobenen Hand, mit weisser Hals- krause und hellpurpurner Jacke mit Goldnähten und Knöpfen, lederfarbenem Hut mit roter Blume und weissen Hosen. Der Sockel mit Blumen und Blättern appliziert. Ohne Marke. H 13,5 cm. Minim restauriert. Provenienz: Privatsammlung, Basel. Durch Erbschaft in heutigen Privat- besitz. Diese Figur wurde in diversen Variationen mit unterschiedlichen Attributen ausgeformt. Ein vergleichbares Modell, ehemals in der Sammlung Patricia Hart, war bei Christie's, 5.7.2012, Lot 9. CHF 1 000/1 500 (€ 1 090/1 630) 1100 HARLEKIN UND MÄDCHEN ALS TANZENDES BAUERNPAAR Meissen, um 1735–40, die Staffierung aus der Zeit (?). Paar in lebhafter Mazurka-Pose, eng umfasst, beide das rechte Bein rückwärts schwingend; der Knabe als Harlekin mit Halskrau- se, lederfarbener, goldgeränderter Jacke und eisenroten Knie- bundhosen, das Mädchen mit Zopf, blauem Mieder und gelbem, goldgehöhtem Rock mit indianischem Blumendekor. Auf grün- gelbem, floral belegtem Grassockel. Blaue Schwertermarke auf der unglasierten Unterseite. H 15,6 cm. Diverse Restaurierungen. Provenienz: - Sammlung Oscar Dusendschön, Genève. - Sammlung Stewart Granger, Christie's, 20.5.1963, Lot 149. - C. Wade Esq., Christie's, 4.11.1968, Lot 124. - Privatsammlung, Basel. Durch Erbschaft in heutigen Privatbesitz. Literatur: Hugo Morley-Fletcher, Meissen Porcelain, New York 1979, S. 58. Diese Gruppe tanzender "Tyroler" erfreute sich im 18. Jahrhundert ausserordentlicher Beliebtheit und wurde nicht nur von den eng- lischen Manufakturen Chelsea und Bow, sondern selbst in China während der Qing-Dynastie rezipiert und kopiert. Unter den in öffentlichen Sammlungen bewahrten und solchen auf dem internationalen Auktionsmarkt angebotenen Exempla- ren, befindet sich eine in der Staffierung nahe verwandte Gruppe in den Sammlungen des Metropolitan Museums in New York und wird dort im Katalog Johann Friedrich Eberlein zugeschrieben und 1735 datiert. Ehemals aus der Jack und Belle Linsky Collection, gelangte diese 1982 ins Museum (Inv.-Nr.: 1982.60.314; MET Lins- ky Katalog 1984, Nr.173). Die New Yorker Gruppe diente auch als Datierungsherleitung für eine weitere Ausformung bei U. Pietsch, Frühes Meissener Porzellan, 1997, S. 235 Kat. Nr.190. Ebenso in der Sammlung Dr. Albert Kocher (Robert L. Wyss 1965, heute Ber- nisches Historisches Museum, Inv.-Nr. 27892) ein Modell mit ver- gleichbar grün und gelb staffiertem Sockel. Drei Modelleure wurden diesem Modell in der Literatur bereits zu- geschrieben, neben J.F. Eberlein (1735) in der älteren Literatur, spä- ter J.J. Kändler (1740) auch J. G. Ehder (1742). Sowohl Kändler als auch Ehder listen in ihrer Taxa bzw. Arbeitsbericht eine passende Beschreibung. In Kändler's Taxa, 1740–44 "1 Groupgen, wie ein Arlequin mit ei- nem dergl. Weibel miteinander Pohlnisch tanzen, 10 Thlr." (Rafael, Keramos 2009, S. 57). Ehder's Arbeitsbericht, April 1742 listet "4.1 tanzendes Bauer- Groppgen in Thon verputzt", die Vergleichsgruppe aus der Samm- lung Alan Shimmerman dazu bei S. Vigalas u. M. Chilton, All that Life, 2022, S. 467, S.470 Nr. 148. CHF 4 000/6 000 (€ 4 350/6 520)

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