WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 26. MÄRZ 2026

124 1120* KAMINPENDULE "À L'ÉLÉPHANT" Louis XV, die Bronze aus einer Pariser Meisterwerkstatt, um 1747/49. Das Zifferblatt signiert JN BAPTISTE BAILLON, das Werk signiert und nummeriert J Bte BAILLON A PARIS NO 2673 (Jean- Baptiste-Albert Baillon, Meister 1727). Bronze vergoldet. Das zylindrische Uhrgehäuse mit sitzendem Af- fen als Aufsatzfigur (mit Steuermarke C couronné) wird getragen von einem stehenden Elefanten, der seinen Rüssel in die Höhe streckt. Auf naturalistisch gestaltetem Sockel mit applizierten, grossen Blüten. Weisses Email-Zifferblatt mit blauen römischen Stunden- und arabischen Minutenzahlen, vergoldete feine "Fleurs de Lys" als Dekor. Feines Werk mit Ankergang und Halbstunden- schlag auf Glocke. C-Couronné Marke. 32 × 18,5 × 40,5 cm. Schirm des Affen fehlt, Vergoldung berieben. Werk zurzeit gehfähig, evtl. zu revidieren. Provenienz: Privatbesitz Deutschland. Exotische Tiere wie Löwen, Elefanten, Rhinozerosse etc. erfreuten sich in der Kunst des 18. Jh. grosser Beliebtheit. Sie zierten Tapis- serien und Gemälde und wurden auch in Arbeiten der dekorativen Kunst integriert. Die Künstler der Zeit konnten sich dabei eben- so an Vorbildern aus der asiatischen Kunst orientieren, wie an Arbeiten europäischer Künstler, welche die Gelegenheit des Studiums lebender Tiere hatten. Elefanten gelangten verein- zelt bereits ab 800 als diplomatische Geschenke nach Europa und wurden an den Höfen als Kuriosität sowie als Zeichen der Herrschaft gehalten. Eine Federzeichnung des Kupferstichka- binetts Berlin aus der Werkstatt Raffaels (Staatliche Museen Berlin, KdZ 1794) zeigt den Elefanten Hanno um 1516, wel- chen König Emanuel I. von Portugal Papst Leo X. zu dessen Wahl schenkte. Rund 100 Jahre später trat im Frühjahr 1629 an der Frankfurter Fastenmesse ein Elefant auf, der verschiedene Kunststücke vorführte. Er erregte als erster Jahrmarktelefant grosses Auf- sehen und wurde später auch in Nürnberg, Memmingen und Graz gezeigt. Als der Elefant im Mai 1630 Rom besuchte, fer- tigte der Bildhauer Gian Lorenzo Bernini Studien an, welche vermutlich in den Entwurf für den 1677 entstandenen Obelis- co della Minerva in Rom einflossen. Jean-Baptiste Baillon fertigte als bedeutender Uhrmacher seiner Zeit auch Uhren für die königliche Familie. Er führte die Titel "Valet de Chambre de la Reine", "Valet de Chambre- Horloger Ordinaire de la Reine" und später "Premier Valet de Chambre et Valet de Chambre-Horloger Ordinaire de la Dau- phine". Eine Elefanten-Pendule desselben Modells von Baillon steht in der Bamberger Residenz (abgebildet bei Ottomeyer/ Pröschel: Vergoldete Bronzen. München 1986, Bd. I, S. 124, Nr. 2.8.5), wobei dort die Figur des Elefanten dunkel patiniert ist. Eine weitere solche Uhr, deren Zifferblatt mit "Fieffe de l’Observatoire" signiert ist, erwähnen Ottomeyer/Pröschel auch in Schloss Fasanerie bei Fulda. Jean-Dominique Augarde erwähnt eine entsprechende Ele- fanten-Pendule, das Werk signiert Baillon, offenbar aus dessen persönlichem Besitz, welche 1993 bei Christie’s London ver- kauft wurde (Jean-Dominique Augarde: Les ouvriers du temps, Genf 1996, S. 90, Abb. 55). Die Uhr unterscheidet sich leicht in der Gestaltung der Blumen des Aufsatzes. Auch ist hier die Figur des Elefanten dunkel patiniert. CHF 15 000/25 000 (€ 16 300/27 170)

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