WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 26. MÄRZ 2026
20 1013 ERZENGEL MICHAEL - EHEM. SAMMLUNG PRINZ EMANUEL VON LIECHTENSTEIN Österreich, Kärnten, Villacher Werkstätte um 1480. Holz geschnitzt, Verso geflacht sowie gefasst und teilvergoldet. Der Erzengel in Vollrüstung stehend in expressiv bewegter Haltung mit erhobenem Schwert, in der linken Hand die Seelenwaage. Sein Umhang fällt in weichen, grossräumigen Falten. H 125 cm. Fassung teils restauriert. Flügel, Hände sowie Schwert ersetzt. Ausbrüche an einer Waagschale und an Gewandfalte. Figuren der Seelenwaage unvollständig. Provenienz: - Sammlung Prinz Emanuel von Liechtenstein (1908–1987), Vaduz, bis September 1948. - Galerie Fischer, Luzern, Auktion vom 16.-20.11.1948, Lot 976 mit Abb. Tafel 9. - Schweizer Privatsammlung, an obiger Auktion erworben. - durch Erbschaft in Schweizer Privatsammlung. Ausserordentliche Figur des Erzengels Michael als Seelenwäger, der aufgrund seiner extremen, beinahe tänzerischen Haltung den kärntnerischen spätgoti- schen Skulpturen zugeordnet werden kann. Die von Otto Demus als charakteris- tisch für die kärntnerische Plastik der Spätgotik beschriebene "groteske" Bewegt- heit findet sich exemplarisch auch bei unserem Michael. Als Vergleich sei eine Figur des Heiligen Georg aus der Pfarrkirche Maria Gail angeführt. Neben der speziellen Körperhaltung finden sich weitere Parallelen in der äusserst feinglied- rigen Gestalt der Figur, der spitzen Physiognomie sowie in der Gestaltung der Rüstung. Vgl. Otto Demus: Die spätgotischen Altäre Kärntens. Klagenfurt 1991, S. 265, Abb. 301. Auch die Skulptur des Heiligen Florian, welche zusammen mit dem Heiligen Georg als Schreinwächter des Flügelaltars in Maria Gail fungiert, weist diese elegante wie auch dynamische Haltung und das flatternde Gewand auf (ebd. S. 265, Abb. 300). Ein weiterer Vergleich, wiederum zu einer Skulptur des Heiligen Georg, kann zum Landesmuseum bzw. zur Pfarrkirche in Sternberg gezogen werden. Diese wird dem Schnitzer der Altarstatue von St. Ulrich bei Villach zugeordnet und reiht sich somit in die Werke der älteren Villacher Werkstätten ein. Die schwungvolle Stel- lung und Gestik dieses Heiligen Georg kommt unserem Erzengel Michael sehr nahe (ebd. S. 208, Abb. 231 und 232). Dass sich gerade zwei Exemplare des Hei- ligen Georg als Vergleich anbieten, mag daran liegen, dass der Georgsritterorden um die Jahrhundertwende des 15. Jahrhunderts zu den grössten Auftraggebern kirchlicher Kunst in Kärnten zählte. CHF 12 000/18 000 (€ 13 040/19 570)
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