WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 26. MÄRZ 2026

56 1044* REITERSTANDBILD WOHL DES ERZHERZOGS FERDINAND KARL VON ÖSTERREICH (1628–1662) Nach einem Modell von Caspar Gras (1585–1674), Österreich. Bronze dunkelbraun patiniert. Auf späterem Holzsockel. H 57,5 cm, L 41,5 cm. Sattel und Reiter eventuell assortiert zum Pferd. Retuschen an der Patina. Fehlstellen.Kleine Restaurierungen. Provenienz: Sammlung Arlette und Antony Embden, Frankreich. Caspar Gras wurde zunächst von seinem Vater in dessen Goldschmiedewerkstatt ausgebildet. Ab 1600 arbeitete er für den angesehenen niederländischen Bronzebildner Hubert Gerhard, welcher Caspar Gras zum Bossierer ausbildete und ihn mit sich an den Hof des Erzherzogs Maximilian III. nach Innsbruck nahm, wo sie gemeinsam am bronzenen Grabmal ebendieses Erzherzogs arbeite- ten. Nach Gerhards Weggang 1613 trat Gras dessen Nachfolge an. 1619 wurde Leopold V. Erbfolger des Erzherzogs und führte die Tradition wie auch das Interesse am Bronzeguss weiter. Die Ehe mit Claudia de Medici verstärkte den gegenseitigen Austausch mit den Bronzearbeitern in Florenz und deren Einfluss auf das Werk von Caspar Gras, was auch Anleihen bei Giambologna sowie Pietro Tacca in Caspar Gras Oeuvre bezeugen (Vgl. Gert Ammann: Ruhm und Sinnlichkeit. Innsbrucker Bronzeguss 1500–1650. Von Kaiser Maximilian I. bis Erzherzog Ferdinand Karl. Innsbruck 1996, S. 15-16/340). Die genaue Identität unseres Reiters lässt sich nicht zweifelsfrei bestimmen. Vergleiche mit ähnlichen Reiterstatuetten aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien, aus weiteren musealen Sammlungen sowie aus Privatbesitz (ebd.) deuten jedoch darauf hin, dass es sich wohl um Erzherzog Ferdinand Karl handelt, den Sohn von Leopold V. und Claudia de Medici. Diese Bronzestatuette reiht sich in eine Serie von verschiedenen Familienmitgliedern der Habsburger ein. Hierbei wurden die unter- schiedlichen Bestandteile (Kopf, Körper, Pferd, Waffe) separat gegossen und später zusammenge- schweisst oder geschraubt, was sie zugleich auswechselbar macht. Das Kunsthistorische Museum Wien verwahrt mehrere Modelle wie auch einzelne Elemente (bspw. Kopfteile Inv.-Nr.6754 und 6753) der Habsburger Feldherren und vermerkt, dass der Fokus hierbei vielmehr auf den militärischen Er- folgen der Habsburger als auf einzelnen Individuen der Dynastie lag. So scheint es auch bei unserem Exemplar möglich, dass wohl nicht alle Elemente ursprünglich zusammengehörten. Der Vergleich mit der Statuette des Victoria and Albert Museums (Inv.-Nr. A.16-1960) sowie des Kunsthistorischen Museums Wien (Inv.-Nr. 6000 bzw. der Reservekopf Inv.-Nr. 6754) bekräftigt die Identifikation als Erz- herzog Karl Ferdinand (1628–1662), der über Tirol und Vorderösterreich herrschte. Das Modell des Pferdes weicht hier jedoch ab, wobei zu bemerken ist, dass sich Gras zweier Pferde-Typen bediente: eines sich aufbäumenden sowie eines trabenden Pferdes. Das Modell unseres Pferdes ist vergleich- bar mit dem eines trabenden Pferdes mit Erzherzog Leopold Wilhelm, aus Tiroler Privatbesitz (vgl. Ammann 1996, S. 321, Nr. 98). Diese Reiterstatuette wird zweifellos Caspar Gras zugeschrieben und unterstreicht wiederum die Auswechselbarkeit der verschiedenen Elemente. Schliesslich sind diese Reiterstatuetten nicht nur von repräsentativer Bedeutung, sondern auch in künstlerischer Hinsicht von Wichtigkeit, wobei nicht nur die Qualität und Detailreiche der Figuren, sondern auch der kulturell-künstlerische Austausch der Innsbrucker und Florentiner Bronzetradition zur Geltung kommen. CHF 8 000/12 000 (€ 8 700/13 040)

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