WORKS OF ART & DECORATIVE ARTS 26. MÄRZ 2026

8 1006* MARMORTORSO "BARTHOLONI" VENUS Römisch, Kaiserzeit, ca. 2. Jh. n. Chr. Knidischer Typus, nach dem hellenistischen Vorbild von Praxiteles "Aphrodite von Knidos" (ca. 350/340 v. Chr.) Carrara-Marmor vollrund gearbeitet. Die Liebesgöttin Ve- nus unbekleidet, leicht nach vorn geneigt, im Kontrapost stehend mit dem Gewicht auf dem rechten Bein. Das linke Bein ist vorgestreckt und im Knie gebeugt. An der Aussen- seite des Oberschenkels Reste der ursprünglichen Stütze. Der rechte Arm war ursprünglich herabgesenkt, die heute fehlende Hand über dem Schamdreieck positioniert. Die linke Schulter ist leicht zurückgezogen. An der Stütze eine alte gravierte Inventarnummer 170. Auf späterem Drehso- ckel montiert. H ohne Sockel 120 cm, H mit Sockel 184 cm. Reparaturen. Gereingt. Bereibungen und Ausbrüche. Kittungen. Provenienz: - Jean-François Bartholoni (1796–1881), Genf (gemäss Überlieferung). - durch Erbfolge im gleichen Familienbesitz im Château Sans-Souci, Versoix, Schweiz. - Jacques-Arnold Amstutz, von obigen erworben zusam- men mit dem Inventar von Château Sans-Souci, Versoix, Schweiz, 1.3.1926. - Besitz der S.I. Sans-Souci, Château Sans-Souci, Versoix, Schweiz, von obigem erworben zusammen mit dem Inventar von Château Sans-Souci, Versoix, Schweiz, 20.5.1926. - Auktion Ch. Amann und J.-P. Junot: "Château Bartho- loni, domaine ‘Sans-Souci’, Route de Suisse, Versoix près Genève", Genf, 26.9.1957, Lot 324. - Auktion, Münzen und Medaillen A.G.: "Kunstwerke der Antike - Auktion XXII", Basel, 13.5.1961, Lot 20. - Sammlung Henri E. Smeets (1905–1980), Weert, Nieder- lande. - Auktion Sotheby’s: "The Smeets Collection of Antiquities", London, 7.11.1977, Lot 194 (wohl unverkauft). - Auktion Sotheby’s: "Property of Henri Smeets of Weert, The Netherlands; Antiquities". London, 4.12.1978, Lot 210. - Privatbesitz Schweiz, an obiger Auktion erworben. Ausstellungen: - TEFAF Maastricht, 7.-15.3.2020. - Museum The Royal Castle in Warsaw: "Memory of Anti- quity and the Early Renaissance", 17.7.-15.11.2023, War- schau, Polen, Nr. 159 (mit Ausstellungskatalog). Literatur: - Journal de Genève, 16.9.1957, S. 6. - E. Godet et al.: A Private Collection: A Catalogue of The Henri Smeets Collection, Weert. 1975, Nr. 217. - Antonio Corso: The Art of Praxiteles, Vol. II: The Mature Years. Rom 2004, S. 151 bzw. 225, Nr. 269. Die Venusskulptur beeindruckt nicht nur durch ihre Ele- ganz, sondern auch mit einer Provenienz, die bis ins 19. Jh. zurückreicht. So basiert auch die Namensgebung unserer "Bartholoni"-Venus auf ihrer Besitzergeschichte, die auf Jean-François Bartholoni (1796–1881) als ersten bekann- ten Besitzer zurückgeführt wird. Die aus der Toskana stam- mende Familie Bartholoni siedelte bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Genf um, weshalb die Möglichkeit besteht, dass die Skulptur der Venus schon viel länger im Familienbesitz war als dies bekannt ist. Die alte Inventar- nummer 170 weist möglicherweise auf einen solchen Ur- sprung hin. Bereits in jungen Jahren zog es Jean-François Bartholoni nach Paris, wo er als erfolgreicher Bankier auch Pionier und Förderer des Eisenbahnwesens in Frankreich und der Schweiz wurde. Die Verbundenheit zu seinem Ur- sprung in Genf als auch zu seinen italienischen Wurzeln, widerspiegelt der Bau der Villa Bartholoni (heute Musée d'histoire des sciences) in Genf, welche ganz im italieni- schen Stil gehalten ist als auch die Gründung des Musik- konservatoriums in Genf. Als eines von vier Kindern liess Jean-François Bartholonis Sohn Charles (1841–1921) in Versoix zwischen 1882 bis 1884 das Château Sans-Souci errichten. Wie aus Archiv- fotos und der späteren Auktions-Annonce hervorgeht, war das Schloss reichlich mit Skulpturen, Möbeln, Gemäl- Interieur des Château Sans-Souci mit Ansicht der Venus mit Ergänzungen aus dem 18. Jh. Foto von: C. et E. Bory (Hg.)/ Boissonas (Fotograf), Genf, 20.5.1925. Quelle: Archiv Patrimoine versoisien Réf. APV/PHO339.

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