IMPRESSIONISMUS & MODERNE 26. JUNI 2026

136 3291 HANS (JEAN) ARP (Strassburg 1886–1966 Basel) Fruit d’étoile. 1964. Cristallinmarmor. Unikat ”taille directe“. 45 × 66 × 45 cm. Gutachten: Hans Arp, Solothurn, 19.1.1965 (in Kopie vorhanden). Provenienz: Privatsammlung Schweiz, direkt vom Künstler erhalten und durch Erbschaft an die heutigen Besitzer. Ausstellung: Ascona/Locarno 2009, L‘energia del luogo. Jean Arp, Raffael Benazzi, Julius Bissier, Ben Nicholson, Hans Richter, Mark Tobey, Italo Valenti, Museo Comunale d‘Arte Moderna und Casa Serodine/Casa Rusca Pinacoteca Comunale und Atelier Remo Rossi, 4.4.–5.7.2009, Nr. 12. Literatur: Arie Hartog und Kai Fischer: Hans Arp. Skulpturen. Eine Be- standsaufnahme, Ostfildern 2012, S. 383, Nr. 327 (mit Abb.). In ”Fruit d’étoile“ öffnet sich Hans Arps Universum des Nicht- menschlichen – ein Kosmos, in dem die Natur nicht nach- geahmt, also abgebildet, sondern gebildet wird. So wie die Pflanze ihre Frucht hervorbringt, so bildet der Künstler seine Skulptur. Es geht um Werden, Wachsen, Verändern. Wobei sich dieses Verständnis der Metamorphose sowohl auf den künstlerischen Schaffensprozess als auch auf den Ausdruck des Werks bezieht. Die Sternfrucht, auf die der Titel verweist, besitzt eine äusse- re Gestalt, die sich radikal von ihrem Inneren unterscheidet. Genauso entzieht sich Arps Skulptur jeder eindeutigen Defini- tion. Sie kennt kein vorne oder hinten, kein oben oder unten. Je nach Blickwinkel entfaltet sich eine neue Erscheinung. Die Skulptur bleibt offen, verwandelbar, bereit, sich immer wieder neu zu zeigen. Die Materie des kristallinen Marmors verstärkt diese Vielgestal- tigkeit. Je nach Lichteinfall wirkt der Stein heller oder dunkler; einzelne Kristalladern in dunklerer Farbe setzen Akzente, die dem Körper zusätzliche Tiefe und Struktur verleihen. Die glat- te Oberfläche betont die amorphe, kaum fassbare Qualität des Werks. Scharfe Zäsuren fehlen, runde weiche Linien und Flä- chen verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen, in dem Grenzen aufgehoben werden und Konturen ineinanderfliessen. ”Ich träume von Innen und Aussen, von Oben und Unten, von Hier und Dort, von Heute und Morgen. Und Innen, Aussen, Oben, Unten, Hier, Dort, Heute, Morgen vermengen sich, ver- weben sich, lösen sich auf. Dieses Aufheben der Grenzen ist der Weg, der zum Wesentlichen führt.“ (Hans Arp, Unsern täglichen Traum, 1955, S. 89). ”Fruit d‘étoile“ ist eine von nur 23 Steinskulpturen, die Hans Arp selbst ausgeführt und nicht vollständig an einen Steinmetz delegiert hat. Diese im Werkverzeichnis als ”taille directe“ ge- führten Arbeiten gehören zu den wenigen plastischen Werken, die unmittelbar von Arp geschaffen wurden und damit dem traditionellen Verständnis eines eigenhändigen Kunstwerks entsprechen. CHF 150 000/250 000 (€ 163 040/271 740)

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