IMPRESSIONISMUS & MODERNE 26. JUNI 2026
14 3208* FEDERICO ZANDOMENEGHI (Venedig 1841–1917 Paris) Au théâtre. Um 1900. Pastell auf Papier auf Karton. Unten rechts signiert: Zandomeneghi. 45,9 × 37,9 cm. Gutachten: - Paul-Louis Durand-Ruel, Paris, 5.9.2016 (in Kopie vorhanden). - Fondazione Enrico Piceni, Milano, 22.9.2016 (in Kopie vorhanden). Provenienz: - Paul Durand-Ruel, Paris, am 30.11.1900 direkt beim Künstler erworben, Nr. A451/Nr. 18632 (verso mit Etiketten). - Privatsammlung Familie Durand-Ruel, Frankreich, durch Erbschaft von Obigem erhalten und über mehrere Generationen im selben Familienbesitz. - Auktion Sotheby‘s, London, 25.5.2016, Los 1. - Richard Green Galleries, London. - Privatbesitz Spanien. Ausstellung: New York 1901, Exhibition of Paintings and Pastels by F. Zandomeneghi, Galerie Durand-Ruel, 12.–31.12.1901, Nr. 27. Literatur: - Fondazione Enrico Piceni (Hrsg.): Federico Zandomeneghi. Catalogo generale, Mailand 2006, S. 308, Nr. 499 (mit Abb.). - Enrico Piceni: Zandomeneghi, Mailand 1976 (Neuauflage 1991), Nr. 126 (mit Abb.). - Christopher Lloyd: Impressionist & Post-Impressionist drawings, London 2019, S. 163 (mit Abb.). Man kann nicht umhin, beim Betrachten dieses Werks den Glanz der Belle Époque heraufzubeschwören. Das Pastell ”Au théâtre“ des italienischen Impressionisten Federico Zandomeneghi wird im Jahr 1900 von Paul Durand-Ruel direkt beim Künstler erwor- ben und verbleibt über viele Jahre in der Sammlung der Familie Durand-Ruel. Gezwungen, seine Heimatstadt Venedig aufgrund seiner Betei- ligung an den Freiheitskämpfen Garibaldis zu verlassen, kommt Zandomeneghi 1874 nach Paris und bewegt sich bald im Umkreis von Edgar Degas und den impressionistischen Künstlern. Ab 1890 unterstützt und fördert der einflussreiche Kunsthändler Durand- Ruel den Maler und organisiert Einzelausstellungen in den Jahren 1893 und 1898. Für seine Werke lässt sich Zandomeneghi vom mondänen Le- ben der Damen der Gesellschaft inspirieren, die er sowohl in Momenten der Intimität und Zurückgezogenheit als auch in der Öffentlichkeit beobachtet – beim Waschen, bei den Vorbereitun- gen für einen Ball, bei Theaterbesuchen, gesellschaftlichen An- lässen und Vergnügungen. Die Szene ”Au théâtre“ ist aus der Perspektive eines Zu- schauers im Parkett dargestellt. Die beiden eleganten Da- men mit dem damals modischen Chignon erscheinen von hinten, zugleich verführerisch und geheimnisvoll, ganz auf die Aufführung konzentriert – so, wie sie auf einen faszinier- ten Betrachter wirken, der wenige Reihen hinter ihnen sitzt. Der Künstler spielt mit einem komplexen Lichtgefüge, indem er die Bühne hell ausleuchtet und zugleich das reizvolle Ano- nymitätsspiel der Damen betont, die diskret im Halbschatten verbleiben. Als grosser Meister des Pastells verwendet Zan- domeneghi Nuancen von Rosa und hellem Ocker mit zarten blau-grauen Schattierungen, um die Rundungen der Schul- tern und die Zartheit der weiblichen Haut zu evozieren. Diese warmen, erdigen Töne stehen im Kontrast zum gleissenden Weiss der Kostüme der Darstellerinnen und zu den leuchten- den Grüntönen des Bühnenhintergrunds. Das Werk entfaltet die ganze Meisterschaft des Künstlers in der Hervorhebung der ambivalenten Züge dieser goldenen Epoche der Jahrhundertwende: Das verborgene Gesicht der beiden Damen verweist auf die strengen gesellschaftlichen Konventionen und die auferlegte Moral der Zeit, während der Ausschnitt, der die Schultern freilegt und eine sanfte Sinn- lichkeit andeutet, eine latente Spannung zwischen Anstand und Begehren offenbart. CHF 60 000/90 000 (€ 65 220/97 830)
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