IMPRESSIONISMUS & MODERNE 26. JUNI 2026

34 Tageszeit malt: die Waterloo Bridge gegen Osten am Morgen, die Charing Cross Bridge gegen Süden am späten Morgen und Nach- mittag und die Houses of Parliament, für die er das Hotel verlässt, am späten Nachmittag. Sowohl in der Malerei als auch im Pastell widmet sich Monet am intensivsten der Waterloo Bridge. Vor allem während seines Auf- enthaltes 1900, aber auch am Ende des Jahres 1901, konzentriert er sich fast ausschliesslich auf dieses Motiv. Insgesamt 40 Ge- mälde und 16 Pastelle entstehen von der 1817 eröffneten Brücke, die das wohlhabende Stadtzentrum mit den industriell geprägten Fabriken und Werften am Südufer verbindet und Monet ein dyna- misches Kompositionsmotiv, erfüllt vom pulsierenden Leben der Metropole bietet. ”Waterloo Bridge“ ist ein wunderbares Beispiel der flüchtigen Pastellarbeiten, die Monet anfertigt, um bestimmte Lichtstimmun- gen direkt einzufangen. Durch das stetig wechselnde Licht ist es Monet unmöglich, länger als ein paar Minuten an einer Leinwand zu arbeiten, weshalb er die Londoner Gemälde oft erst zu Hause in Giverny fertigstellt. Die Pastelle hingegen sind direkte Moment- aufnahmen einer bestimmten Stimmung, die Monet so festhalten will, um sie später auf ein Gemälde zu übertragen. Bei den An- sichten konzentriert er sich stark auf die Architektur der Brücke in Kombination mit der Lichtstimmung über dem Fluss. Die tiefen, dunklen Bögen, die massiven Steinpfeiler, die Fabrikschornsteine und Lagerhäuser, die hinter der Brücke hervortreten, scheinen den Künstler besonders zu faszinieren. Doch der eigentliche Prot- agonist im Bild ist der Nebel. Zum Kunsthändler René Gimpel sagte Monet einmal: ”Ich liebe London! Aber ich liebe es nur imWinter, ohne den Nebel wäre Lon- don keine schöne Stadt. Erst der Nebel verleiht ihr ihre grossartige Weite. Ihre gleichmässigen, massiven Blöcke werden in diesem geheimnisvollen Schleier grandios.“ (Monet, zitiert nach Gimpel, Tagebuch eines Kunsthändlers, 1966). Auch in diesem Pastell ist diese Stimmung sehr schön zu erken- nen: Die unterschiedlichen Blau- und Weisstöne verschmelzen zu einer pudrigen Einheit und vermitteln die feuchte, dichte At- mosphäre eines nebligen Morgens. Der blaue Schleier umhüllt die Brücke, die in die Luft ragenden Gebäude dahinter und sogar das Boot im Vordergrund, das gemütlich über die Themse glei- tet. Monet erweist sich als Meister solcher Effekte und vermag es wie kaum ein anderer, diese besondere impressionistische Essenz einzufangen. Die meisten der 16 Londoner-Pastelle wurden verkauft oder vom Künstler direkt verschenkt. Einige befinden sich heute in bedeutenden Museen, zum Beispiel im Kunst Museum Winterthur (Besitz Hahnloser/Jaeggli Stiftung), in der National Gallery of Art in Washington oder im Musée d’Orsay in Paris. Nur wenige blieben im Besitz der Familie des Künstlers, darunter auch das vorliegende Werk, das direkt aus der Samm- lung Michel Monets in die Schweiz gelangte und nun erstmals auf dem Markt angeboten wird. CHF 350 000/450 000 (€ 380 430/489 130) Claude Monet, Waterloo Bridge, um 1900, Pastellkreide auf Papier. Kunst Museum Winterthur, Hahnloser-Jaeggli Stiftung. Claude Monet, Waterloo Bridge, 1901, Pastell auf Papier. National Gallery of Art, Washington, D.C.

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