IMPRESSIONISMUS & MODERNE 26. JUNI 2026
58 3234 MARIANNE VON WEREFKIN (Tula 1860–1938 Ascona) Tessiner Landschaft. 1919. Tempera auf Papier auf Karton. Unten rechts signiert und schwer leserlich datiert: M. Werefkin / 1919. 55,5 × 73 cm. Provenienz: - Schweizer Privatbesitz. - Auktion Galerie Koller, Zürich, 21.11.1987, Los 5142. - Privatbesitz Schweiz, an obiger Auktion erworben. Farbgewaltig und dynamisch präsentiert sich ”Tessiner Landschaft“ als wunderbares Beispiel für Marianne von Werefkins Anfänge in Ascona. Ab 1918 lassen sich Werefkin und Alexej von Jawlensky in der tessinischen Gemeinde am Monte Verità nieder. Die turbulenten Zeiten der letzten Jahre – während in den Nachbarländern der erste Weltkrieg tobt und gleichzeitig die Beziehung zwischen dem Künstlerpaar zunehmend schwieriger wird – hinterlassen Spuren, die sich auch in der Kunst Werefkins niederschlagen. Gleichzeitig fin- det die Künstlerin in Ascona eine neue Heimat, sie wird Teil des intellektuellen und künstlerischen Netzwerks der Ge- meinde und bringt sich ins kommunale Leben ein: ”Ascona lehrt mich, nichts Menschliches zu verachten, das unermess- liche Glück der Kreativität und das Elend der materiellen Exis- tenz in gleicher Weise zu lieben und wie einen Schatz der Seele in mir zu tragen.“ (Marianne von Werefkin, zit. nach: Ascona-Locarno Tourismus, Lebensmenschen. Jawlensky, Werefkin und Ascona). Es ist Werefkins besonderes Talent, diesen Gegensatz in ihre Bildwelten zu übertragen, wunderschöne und gleichzeitig bedrohliche Landschaften zu kreieren, die fesseln, berühren und faszinieren. Auch hier entführt Werefkin in eine solche Szenerie: Der Blickt fällt von einem Hügel aus hinab über Rebberge in die weite Landschaft des Lago Maggiore. Im Hintergrund erhe- ben sich vereinfachte Berge, deren Kuppen teils noch mit Schnee überzogen sind. Der stille See steht im Kontrast zum flirrenden Himmel, der sich von rechts nach links in expres- siven Strichen quer über die Bildlänge bewegt. Es ist keine topografische Beschreibung der Umgebung, sondern eine Spiegelung des seelischen Zustands der Künstlerin. Typisch für die Handschrift Werefkins ist auch die Tiefe, die durch die vertikalen Linien der Weinreben im Vordergrund erzeugt wird und den Blick beinahe sogartig in die Bildmitte zieht. Die Landschaft wird weder von Häusern noch Bäumen dekoriert. Nur die kleine Figurengruppe in der linken unteren Ecke, Eltern mit einem Kleinkind, verweist auf menschliche Präsenz. CHF 80 000/120 000 (€ 86 960/130 430)
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