IMPRESSIONISMUS & MODERNE 26. JUNI 2026
88 3253 MAURICE UTRILLO (Paris 1883–1955 Dax) La place du Tertre et le Sacré-Cœur. 1922. Öl auf Leinwand. Unten links signiert und datiert: Maurice, Utrillo, V, / 1922. 60 × 73 cm. Provenienz: - Auktion Sotheby‘s, London, 3.12.1991, Los 47. - Privatsammlung Schweiz, an obiger Auktion erworben und durch Erbschaft an die heutigen Besitzer. Literatur: Paul Pétridès: L‘œuvre complet de Maurice Utrillo, Paris 1966, Bd. II, S. 350/351, Nr. 942 (mit Abb.). Wir danken der Association Maurice Utrillo für die Bestäti- gung der Authentizität des Werks, Januar 2026. Auf Wunsch und Kosten des Käufers kann ein Gutachten erstellt werden. Das Gemälde ”La place du Tertre et le Sacré-Cœur“ zeigt besonders eindrucksvoll die Fähigkeit von Maurice Utrillo, die unverwechselbare Seele von Montmartre einzufangen – jenes legendären Pariser Viertels, das um die Jahrhundert- wende zum pulsierenden Zentrum des künstlerischen Le- bens avancierte. Im Zentrum der Komposition erhebt sich die Basilika Sacré- Cœur mit ihren markanten weissen Kuppeln, die über den Dächern des Viertels hinausragen. Im Vordergrund ist der Place du Tertre angedeutet, mit seinen malerischen Häu- sern und Ziegeldächern, leicht dahinter versetzt ist die Église Saint-Pierre de Montmartre zu sehen. Diese Orte sind für Utrillo besonders wichtig, weil er in Montmartre lebt. Die Strassen, Plätze und Häuser seiner unmittelbaren Umgebung sind für ihn vertraut, fast intim, und geben ihm eine konstante visuelle und emotionale Grundlage. Im Jahr 1922 befindet sich der Künstler in einer reifen Phase seines Schaffens. Er ist bereits anerkannt und seine Werke finden Sammler. Trotzdem bleibt er seiner eigenen Bild- sprache treu. Er arbeitet nur selten ”en plein air“, da er unter Angstzuständen und depressiven Phasen leidet, die es ihm erschweren, sich dem Leben im Freien und dem Kontakt mit Menschen auszusetzen. Postkarten und Fotografien ermöglichen es ihm, die Ansich- ten auch ohne physisch vor Ort zu sein mit architektonischer Genauigkeit zu rekonstruieren. Dennoch beschränkt er sich nicht auf das Kopieren: Er interpretiert seine Motive auf per- sönliche Weise, vereinfacht die Formen, verändert die Pro- portionen und schafft vor allem jene stille, schwebende und melancholische Atmosphäre, die für seine Malerei typisch ist. Eine Postkarte aus dem Jahr 1922 diente als Vorlage für das hier vorliegende Werk. Aber im Gegensatz zur Schwarz-Weiss-Aufnahme besticht hier die besonders raffi- nierte Farbwahl des Künstlers und verleiht der Ansicht eine eigene, unverwechselbare Wirkung. Die kräftigen Rottöne der Dächer stehen im Kontrast zum warmen Weiss und leich- ten Ocker der Hausfassaden, während die Sacré-Cœur im Hintergrund in einer kühleren Elfenbeinfarbe erscheint. Die
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