SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026
104 3062 FÉLIX VALLOTTON (Lausanne 1865–1925 Paris) Les Tuileries. 1901. Öl auf Leinwand. Unten links signiert und datiert: F. VALLOTTON. 01. 35 × 30 cm. Provenienz: - Privatbesitz, direkt vom Künstler erhalten. - Privatsammlung Lausanne, ab 1908. - Privatsammlung Frankreich. - Westschweizer Privatsammlung. Ausstellungen: - Paris 1903, Exposition Vallotton et Vuillard, Galerie Bern- heim-Jeune, 27.4.–10.5.1903, Nr. 37, als „Les Tuileries“. - Berlin 1905, VII. Ausstellung Frühjahr, Paul Cassirer, Nr. 46, als „Tuileriengarten“. - Winterthur, Bremen, Düsseldorf, Paris und Genf 1978/79, Félix Vallotton. Bilder. Zeichnungen. Graphik, Kunstmuseum Winterthur, 1.10.–12.11.1978; Kunsthalle Bremen, 3.12.1978–28.1.1979; Kunsthalle Düsseldorf, 15.2.–25.3.1979; Musée du Petit Palais, 11.4.–18.6.1979; Musée Rath, Juli–September 1979, Nr. 52, als „Les Tuileries en hiver“. Literatur: - Günter Busch, Bernard Dorival und Doris Jakubec: Félix Vallotton. Leben und Werk, Frauenfeld 1982, S. 157. - Günter Busch, Bernard Dorival, Doris Jakubc und Patrick Grainville: Vallotton, Lausanne 1985, Nr. 68 (mit Abb). - Marina Ducrey: Félix Vallotton (1865–1925). L’œuvre peint. Catalogue raisonné, Zürich und Lausanne 2005, Bd. II-1, S. 218, Nr. 359 (mit Abb.). Um die Wende zum 20. Jahrhundert bilden öffentliche Gär- ten bedeutende Bühnen des gesellschaftlichen Lebens in Paris. Als bevorzugter Ort der bürgerlichen Promenade verkörpert der Jardin des Tuileries einen klar codierten Raum, in dem sich mondäne Rituale zwischen Sehen und Gesehenwerden entfalten. Elegant und belebt steht er sinnbildlich für die moderne urbane Freizeitkultur. In Les Tuileries (1901) entfernt sich Félix Vallotton jedoch von einer rein erzählerischen oder beschreibenden Dar- stellung. Die menschlichen Figuren erscheinen als kleine, beinahe anonyme Silhouetten, die nebeneinander exis- tieren, ohne wirklich miteinander in Beziehung zu treten. Jede scheint ihrer eigenen Bewegung zu folgen, was eine Atmosphäre von Distanz und stiller Zurückhaltung entste- hen lässt. Die winterliche Szenerie verstärkt diesen Eindruck. Die kahlen Bäume bilden ein strenges grafisches Geflecht, während das kühle Blau des Himmels an einen frostigen Morgen erinnert. Unter einer nur schwach wahrnehmba- ren Wintersonne beschleunigen die Spaziergänger ihre Schritte, als lade die Jahreszeit nicht zum Verweilen ein. Die Pferde, mit grünen Decken geschützt und von ihren Palefrenieren begleitet, wirken ruhig und beinahe reglos und verstärken die Stimmung stiller Erwartung. Durch seine reduzierte Bildsprache und die klare Kompo- sition verwandelt Vallotton eine alltägliche Szene in eine subtile Reflexion über die urbane Moderne. Hinter der scheinbaren Ruhe des Gartens offenbart sich eine präzise Beobachtung der Einsamkeit innerhalb der Menge. Das Werk erscheint somit weniger als einfache Pariser Gen- reszene denn als distanzierte, beinahe introspektive Vision des modernen Lebens. CHF 80 000/120 000 (€ 86 960/130 430) Abb. 1: L‘Orangerie au jardin des Tuileries, Paris. Blancard, Hippolyte, um 1890. © Musée Carnavalet, Histoire de Paris
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