SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026
116 3069 PAUL CAMENISCH (Zürich 1893–1970 Basel) Herbstlandschaft Mendrisiotto. 1925. Öl auf Leinwand. Verso mit Nachlassstempel des Künstlers. 150 × 150 cm. Provenienz: - Nachlass des Künstlers, Basel (verso mit Stempel). - Sammlung Anna Haufler, Agnuzzo, als Geschenk vom Künstler erhalten. - Sammlung Schweizerischer Bankverein, Basel. - Sammlung UBS AG, Zürich. - Auktion Sotheby‘s, Zürich, 8.6.2009, Los 66. - Privatbesitz St. Gallen, an obiger Auktion erworben. - Tessiner Privatsammlung, bei Obigem erworben. Ausstellungen: - Chur und Olten 1985, Paul Camenisch 1893–1970, Bünder Kunstmuseum, 29.6.–8.9.1985; Kunstmuseum Olten, 20.10.–1.12.1985, Nr. 11, als „Herbstlanschaft Mendrisiotto“. - Basel 1986, Basler Kunst im 20. Jahrhundert – in Aus- schnitten. Aus dem Besitz von Basler Unternehmen. 100 Jahre Christoph Merian Stiftung, Theaterstrasse 12, 2.–31.8.1986, Nr. 54. Literatur: - Bilderverzeichnis der Gemälde von Paul Camenisch von 1925–1969, Nr. 6, Staatsarchiv Basel-Stadt. - Martha Camenisch-Hörler: Nachlassverzeichnis von Paul Camenisch, 1925–1969, Nr. 6, Staatsarchiv Basel-Stadt. - Ausst.-Kat. Paul Camenisch 1983–1970, Chur und Olten 1985, S. 30, Nr. 11 (mit Abb.). - Ausst.-Kat. Basler Kunst im 20. Jahrhundert in Ausschnit- ten. Aus dem Besitz von Basler Unternehmen. 100 Jahre Christoph Merian Stiftung, Basel 1986, Nr. 54. - Karl Jost: Biographisches Lexikon der Schweizer Kunst, Zürich 1998, S. 192 (mit Abb.). Das grossformatige Gemälde „Herbstlandschaft Mendrisiotto“ steht auf dem Höhepunkt innerhalb von Paul Camenischs Œuvre in den künstlerisch entschei- denden Jahren um die Mitte der 1920er-Jahre und gehört zu seinen frühen expressionistischen Arbeiten, die sich durch besondere Intensität auszeichnen. Im unmittelba- ren Kontext der Künstlergruppe Rot-Blau, die Camenisch in der Silvesternacht 1924 gemeinsam mit Albert Müller und Hermann Scherer gründete, vereint es die charakteristi- schen Merkmale dieser Schaffensphase und ist ein exem- plarisches Werk jener Entwicklung, die für die Ausbildung eines eigenständigen Expressionismus in der Schweiz von Bedeutung ist. Die Auseinandersetzung mit den Strömun- gen des deutschen Expressionismus, insbesondere mit Ernst Ludwig Kirchner, ist deutlich erkennbar, wird jedoch von Camenisch in eine eigenständige Bildsprache über- führt. Die Vereinfachung der Formen und die gesteigerte Auffassung der Landschaft verbinden sich mit einer klar strukturierten, flächig organisierten Komposition, deren Wirkung oft als nahezu halluzinatorisch beschrieben wor- den ist. Das hier angebotene Gemälde zeigt eine idealisierte Land- schaft des Mendrisiotto, in der sich Felder, Baumreihen und Häuser zu einem rhythmisch gegliederten Gefüge verbinden. Die Komposition folgt einer klaren Staffelung der Hügelzüge und verbindet räumliche Tiefe mit betonter Flächigkeit. Die überwiegend warmen Farbtöne, getragen von Rot- und Gelbnuancen, sind charakteristisch für die- se Werkphase und prägen die geschlossene Wirkung der Bildfläche. Das Werk veranschaulicht exemplarisch die Verbindung von formaler Ordnung und expressiver Ver- einfachung, die für diese Phase im Schaffen des Künstlers bestimmend ist. CHF 80 000/120 000 (€ 86 960/130 430)
RkJQdWJsaXNoZXIy MTU2