SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026
12 3008 ALBERT ANKER (1831 Ins 1910) Der kleine Bruder. 1883. Öl auf Leinwand. Links mittig signiert und datiert: Anker 1883. 72 × 56 cm. Provenienz: - Sammlung Chr. de Chambrier-de Muralt, Neuchâtel, 1883 direkt beim Künstler erworben. - Sammlung Guillaume de Montmollin, Basel, 1931. - Auktion Sotheby‘s, Zürich, 30.6.1983, Los 20. - Schweizer Privatsammlung, an obiger Auktion erworben. - Durch Erbfolge an heutige Besitzer. Ausstellungen: - Neuchâtel 1884, XXI Exposition de la Société des Amis des Arts, Neuchâtel, 1.5.–1.6.1884, Nr. 1. - Zürich 1911, Albert Anker, Kunsthaus Zürich, 7.5.–5.6.1911, Nr. 38, als „Die grosse Schwester“. - Bern 1931, Albert Anker 1831–1910. Jahrhundert‑ ausstellung, Berner Kunstmuseum, 20.6.–23.8.1931, Nr. 79 (verso mit Etikett). Literatur: - Albert Anker: Livre de Vente, 6.11.1883: de M de Chambrier pour le tableau des 2 enfants 1000. - Ausst.-Kat. Albert Anker, Zürich 1911, S. 8, Nr. 38, als „Die grosse Schwester“. - Ausst.-Kat. Albert Anker 1831–1910. Jahrhundert‑ ausstellung, Bern 1931, S. 3, Nr. 26. - Conrad von Mandach: 136 Gemälde und Zeichnungen von Albert Anker, Zürich 1941, Nr. 55 (mit Abb.). - Albert Anker, Max Huggler und Kunstmuseum Bern: Albert Anker. Katalog der Gemälde und Ölstudien, Bern 1962, Nr. 113 (mit Abb.). - Sandor Kuthy und Therese Bhattacharya-Stettler: Albert Anker. Werkkatalog der Gemälde und Ölstudien, Basel 1995, S. 160, Nr. 305 (mit Abb.). In dieser von Zärtlichkeit und stiller Heiterkeit geprägten Szene zieht der lebhafte, verschmitzte Blick des Kindes so- fort die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Mit „Der kleine Bruder“ zeigt Albert Anker ein besonders schönes Beispiel seiner Genremalerei, in der die familiäre Intimität zum Raum feinsinniger Beobachtung wird. Neben jenen Werken, in denen Ankers Blick auf die Kind- heit auch als sozialer Kommentar lesbar wird, richtet sich „Der kleine Bruder“ ganz auf die Intensität eines einzelnen Augenblicks. Der kleine Junge hat sich gerade aufgerich- tet; seine Schwester begleitet diesen ersten, noch unsi- cheren Moment mit sichtbarem Stolz, Amüsement und beschützender Zärtlichkeit. Das Bild wirkt wie eine spon- tane Momentaufnahme, ist jedoch sorgfältig komponiert. Das weiche Licht modelliert sanft die Gesichter und ver- leiht der vertrauten häuslichen Szene eine warme, harmo- nische Atmosphäre. Gerade in dieser Verdichtung liegt die erzählerische Kraft des Werkes: Eine einzelne Szene vermag ein ganzes Buch voller Geschichten aus dem Leben eines Kindes anzudeu- ten. Mit einem Blick oder einem Ausdruck – in der Traditi- on barocker Porträtisten wie Rembrandt, Hals und Veláz- quez – gelingt es Anker, die innere Lebendigkeit seiner Modelle sichtbar zu machen. Das kleine Kind mit den weit aufgerissenen Augen, in denen ein schelmisches Funkeln blitzt, versetzt uns zurück in jene Zeit unseres Lebens, als alles neu und faszinierend war. Der Blick seiner Schwes- ter spricht Bände und macht die Szene zugleich zu einer Hommage an die verbindende Kraft familiärer Bande. Während Anker Kinder häufig beim Lesen, Lernen oder Spielen zeigt, oft ernst und konzentriert, besitzt dieses Werk eine ungewöhnlich helle, unmittelbare Ausstrah- lung. Gerade weil Darstellungen von solch offener Unbe- schwertheit in seinem Schaffen nicht zahlreich sind, ge- winnt „Der kleine Bruder“ eine besondere Stellung. CHF 1 500 000/2 500 000 (€ 1 630 430/2 717 390) Abb. 1: Albert Anker. Die ältere Schwester. Um 1889. Koller Auktionen, Dezember 2011, Los 3011
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