SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026

136 Abb. 1: Sonja Sekula in Andre Bretons Atelier in New York 3086 SONJA SEKULA (Luzern 1918–1963 Zürich) Fast-Nacht, oder sogar der Freuden-Tanz. 1956. Mischtechnik auf Kratzkarton. Unten rechts signiert und datiert: S. SEKULA 56. Verso bezeichnet, signiert und datiert: „Fast-Nacht, oder sogar der Freuden-Tanz” S. Sekula 1956 (St. Moritz). 55,5 × 62,5 cm. Provenienz: - Auktion Piguet, Genf, 29.6.2020, Los 4287. - Schweizer Privatbesitz, an obiger Auktion erworben. Ausstellungen: - Neuchâtel 2022, Skinthings, Fondation WhiteSpaceBlackBox, 10.4.–9.6.2022. - Neuchâtel 2023/24, Witches and Bitches, Fondation WhiteSpaceBlackBox, 23.11.2023–24.3.2024. - Neuchâtel 2025/26, Doom Boom, Fondation WhiteSpaceBlackBox, 27.11.2025–22.3.2026. Die 1956 entstandene Arbeit „Fast-Nacht, oder sogar der Freuden-Tanz” entstand kurz nach Sonja Sekulas Rück- kehr aus New York in die Schweiz. Das Werk steht noch deutlich im Kontext ihrer amerikanischen Jahre. Seit den späten 1930er-Jahren bewegte sich Sekula im Umfeld der New Yorker Avantgarde um John Cage, Jackson Pollock und die surrealistischen Exilkünstler um André Breton. Die Komposition auf Kratzkarton zeigt ein dichtes Geflecht schwarzer Linien, kreisförmiger Formen und zeichenhafter Motive. Der erhaltene Scratchboard-Stempel verweist un- mittelbar auf Sekulas Zeit in den USA, wo sie diese Tech- nik kennengelernt hatte. Dort wurde sie vor allem in der Gebrauchsgraphik und Illustration eingesetzt, von Sekula jedoch in einen freien künstlerischen Zusammenhang überführt. Augen, Masken oder organische Fragmente erscheinen nur andeutungsweise und bleiben in die abstrakte Struktur eingebunden. Zugleich lassen sich Einflüsse nichtwestli- cher Bildtraditionen erkennen, insbesondere der abstra- hierten Formensprachen indigener Kulturen Nordameri- kas. Gerade die Verbindung aus grafischer Präzision und spontaner Bildfindung verleiht demWerk seine besondere Intensität und verweist auf Sekulas Auseinandersetzung mit surrealistischem Automatismus und freier Abstraktion. CHF 8 000/12 000 (€ 8 700/13 040)

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