SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026

40 3028* FÉLIX VALLOTTON (Lausanne 1865–1925 Paris) Femme dans sa cuisine – La mère de l’artiste dans la cuisine. 1884. Schwarze Kreide auf Papier. Unten rechts monogrammiert und datiert: fv 84. 42 × 26,5 cm. Provenienz: - Galerie Paul Vallotton, Lausanne. - Sammlung Alfred Vallotton, Paris. - Pariser Privatsammlung. - Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 18.6.2010, Los 144. - Privatsammlung, Deutschland. Ausstellungen: - Zürich 1928, Félix Vallotton, Kunsthaus Zürich, 20.1.–26.2.1928, Nr. 187. - Bern 1930, Max Bill. Jakob Probst. Leo Steck. Félix Vallotton. Walo von May, Kunsthalle Bern, 15.6.–13.7.1930, Nr. 51, als „Intérieur de cuisine“. - Winterthur, Bremen, Düsseldorf, Paris und Genf 1978/79, Félix Vallotton: Bilder. Zeichnungen. Graphik, Kunstmuseum Winterthur, 1.10.–12.11.1978; Kunsthalle Bremen, 2.12.1978–28.1.1979; Kunsthalle Düsseldorf, 16.2.–25.3.1979; Musée de Petit Palais, April–Juni 1979; Musée Rath, Juli–September 1979, Nr. 183, als „Junge Frau in der Küche“. - Solothurn und Winterthur 2012, Félix Vallotton. Zeichnungen, Kunstmuseum Solothurn, 12.5.–12.8.2012; Kunstmuse- um Winterthur, 15.9.–25.11.2012, Nr. 3. Literatur: - Ausst.-Kat. Max Bill. Jakob Probst. Leo Steck. Félix Vallotton. Walo von May, Bern 1930, S. 5, Nr. 51. - Marina Ducrey, Félix Vallotton. L’œuvre peint. Catalogue raisonné, Milano 2007, Bd. II, S. 9. - Ausst.-Kat. Félix Vallotton. Zeichnungen, Solothurn und Winterthur 2012, S. 40, Nr. 3 (mit Abb.). Félix Vallotton schuf diese meisterhafte Zeich- nung kurz nach Beginn seiner Ausbildung an der Académie Julian in Paris. Das Blatt dürfte im Sommer 1884 während eines Aufenthalts bei seiner Familie in Lausanne entstanden sein und gehört damit zu den frühen, noch eng am unmittelbaren Umfeld orientierten Arbeiten des Künstlers. Wie Rudolf Koella dargelegt hat, zeigt die Szene Vallottons Mutter, Emma Vallotton-Roseng, im Interieur der elterlichen Wohnung an der Rue Haldimand. In sich gekehrt sitzt sie am Tisch und geht einer einfachen häuslichen Tätigkeit nach. Die Identifikation der Figur lässt sich durch den Vergleich mit zeitgleichen Darstel- lungen sichern. Gleichwohl ist sie weniger als eigentliches Porträt aufgefasst, sondern viel- mehr in die Gesamtstruktur des Raumes ein- gebunden. Das Interesse gilt dem Interieur als geschlosse- nemBildraum. Vallotton erfasst die Situationmit grosser Genauigkeit und entwickelt aus dem Zusammenspiel von Licht, Fensteröffnung und Mobiliar eine ausgewogene Komposition. Die Figur erscheint als Teil dieser Ordnung, nicht als ihr Zentrum. Gerade diese Zurücknahme verleiht dem Blatt seine besondere Spannung und erinnert in ihrer Anlage an die Tradition der niederländischen Genremalerei, mit der sich der junge Künstler intensiv auseinandersetzte. Vor diesem Hintergrund ist Vallottons Zeich- nung nicht allein als Resultat seiner eigenen, intensiven Beschäftigung mit den von ihm hochverehrten Alten Meistern zu verstehen. Vielmehr legt sich ein Vergleich nahe, der so- wohl thematische als auch stilistische Über- einstimmungen erkennen lässt. Auffallende Parallelen zeigen sich insbesondere zu den frühen, nahezu zeitgleich entstandenen Zeich- nungen eines weiteren leidenschaftlichen Rembrandt-Bewunderers: Vincent van Gogh (vgl. Abb. 2). CHF 35 000/45 000 (€ 38 040/48 910) Abb. 1: Félix Vallotton. La mère de l’artiste au fauteuil rouge. 1884. Privatsammlung © Fondation Félix Vallotton, Lausanne Abb. 2: Vincent van Gogh. Woman Sewing. 1881. © Kröller-Müller-Museum, Otterlo

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