SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026

60 3037 FERDINAND HODLER (Bern 1853–1918 Genf) Bildnis Francine Meylach. 1916. Öl auf Leinwand. Unten rechts datiert und signiert: 1916 F. Hodler. Oben rechts bezeichnet: Francine. 47,5 × 43,5 cm. Provenienz: - Wohl Ségal Antiquités M&G, Basel, bis 1945. - Wohl Galerie Dr. Willi Raeber, Basel, 1945. - Wohl Privatbesitz C. Rüfenacht, Zürich, 1945. - Privatsammlung Franz Meyer-Chagall-Federspiel, Zürich, bis 1979. - Auktion Sotheby‘s, Zürich, 14.11.1979, Los 56. - Schweizer Privatsammlung, an obiger Auktion erworben. Literatur: Oskar Bätschmann und Paul Müller: Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Hrsg. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Bd. II, Die Bildnisse, Zürich 2012, S. 318, Nr. 995 (mit Abb.). Ferdinand Hodler lernte die aus Malta stammende Tän- zerin Francine Meylach 1916 in Genf kennen. Im selben Jahr schuf Hodler fünf Bildnisse von ihr in unterschiedli- chen Formaten und Posen. Während drei der bekannten Fassungen als klassische Portraits komponiert sind, in welchen ein direkter Bezug zwischen dem Betrachter und der Dargestellten hergestellt wird, handelt es sich bei dem hier angebotenen sowie bei dem dem im Musée d‘art et d‘histoire in Genf befindlichen Gemälde um Werke, die über das reine Portrait hinausgehen. Die Haltung von „Francine“ erinnert dabei stark an Figu- renstudien zu Hodlers berühmtem Wandbild „Blick ins Unendliche“. Mit dieser Komposition beschäftigte sich Ferdinand Hodler seit dem entsprechenden Auftrag des Kunsthauses Zürich von 1910 (vgl. Abb.). In der Folge ent- standen zwei monumentale Fassungen für Zürich und Ba- sel sowie weitere Fassungen kleineren Formats. 1916 ar- beitete Hodler an der Vollendung der endgültigen Zürcher Version, die sich heute im Treppenhaus des Kunsthauses Zürich befindet. Die Neigung des Kopfes, die Hodler im Bildnis von „Fran- cine“ anwendet und die er u.a. in seiner Komposition für „Blick ins Unendliche“ erarbeitet hatte, ist kein beiläufiges Motiv, sondern ein bewusst eingesetztes Ausdrucksmittel. Sie verweist auf eine Haltung der Innerlichkeit und Samm- lung, indem sie den Blick von der äusseren Welt abwendet und auf eine geistige, überindividuelle Ebene lenkt. In der stillen, leicht entrückten Haltung der Figur der „Francine“ verdichtet sich ein Zustand kontemplativer Versenkung, der über das Individuelle hinausweist und als Sinnbild ei- ner auf das Unendliche gerichteten Existenz gelesen wer- den kann. CHF 220 000/320 000 (€ 239 130/347 830) Ferdinand Hodler, Blick ins Unendliche, 1916. © Kunsthaus Zürich

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