SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026
86 3050 GIOVANNI GIACOMETTI (Stampa 1868–1933 Glion) Annetta und Alberto. Um 1904. Öl auf Leinwand. Unten links monogrammiert: G.G. 50 × 53 cm. Provenienz: - Nachlass Giovanni Giacometti. - Schweizer Privatbesitz. - Auktion Christie‘s, Zürich, 14.3.2005, Los 123. - Schweizer Privatsammlung. Ausstellungen: - Zürich 1906, VI. Serie 1906. Giovanni Giacometti, Künstlerhaus Zürich, 23.8.–23.9.1906, Nr. 7, als „Mutter und Kind“. - Wohl Zürich 1934, Giovanni Giacometti 1868–1933, Kunsthaus Zürich, 3.2.–7.3.1934, Nr. 31, als „Mutter und Kind“. - Wohl Chur 1934, Giovanni Giacometti. Gedächtnisaus- stellung, Bündner Kunsthaus, 15.4.–13.5.1934, Nr. 34, als „Mutter und Kind“. - Wohl Bern 1934, Gedächtnisausstellung Giovanni Giaco- metti, Kunsthalle Bern, 18.6.–18.7.1934, Nr. 32, als „Mutter und Kind“. - Zürich 1990/91, Schweizer Maler aus der Sammlung Bührle, Stiftung Sammlung Emil G. Bührle, 27.4.1990–12.4.1991, Nr. 17, als „Mutter mit Kind, Annetta und Alberto“. Literatur: - Hans Trog: „Kunstchronik. Aus dem Künstlerhaus III. Giovanni Giacometti“, in: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 252, 11.9.1906. - Christian Klemm: „Bildteil mit einzelnen Kommentaren“, in: Ausst.-Kat. La Mamma a Stampa. Annetta – gesehen von Giovanni und Alberto Giacometti, Zürich und Chur 1990/91, S. 50 (mit Abb.). - Paul Müller und Viola Radlach: Giovanni Giacometti. Werkkatalog der Gemälde, Zürich 1997, Bd. II-1, S. 218, Nr. 1904.04 (mit Abb.). Am 10. Oktober 1901 brachte Annetta ihren ersten Sohn zur Welt, dem das Paar den Namen Giovanni Alberto gab und dessen Pate Cuno Amiet wurde. Auch Oscar Miller, der be- deutende Sammler und Förderer zeitgenössischer Schwei- zer Kunst, wurde vom Maler benachrichtigt. Dem Schreiben legte Giovanni eine Zeichnung seines Sohnes bei, die er mit „Voilà le Bougre!“ betitelte. Das Thema von Mutter und Kind, das Giovanni Giacometti bereits vor der Geburt seiner Kinder beschäftigt hatte, nahm in den folgenden Monaten und Jahren einen zentralen Platz in seinem Schaffen ein. Im Frühjahr 1902 malte er in flüssigem, skizzenhaftem Pinsel- strich die frontal gesehene Annetta mit dem wenige Monate alten Säugling auf dem Arm (heute Kunstmuseum Chur). In dieser Zeit löste sich Giovanni Giacometti stilistisch zuneh- mend von seinem grossen Vorbild Giovanni Segantini, der 1899 überraschend verstorben war, und entwickelte eine ei- genständige künstlerische Handschrift. Der Einfluss Vincent van Goghs und des Postimpressionismus tritt nun deutlicher hervor und prägt zahlreiche Werke der frühen 1900er-Jahre. Das hier angebotene Gemälde „Annetta und Alberto“ knüpft mit dem frontal auf den Betrachter gerichteten Blick der Mutter an die Komposition von 1902 an. Die Intimität des früheren Werkes weicht jedoch einer gesteigerten, beinahe symbolistischen Auffassung des Themas. Annetta ist klar ins Zentrum gerückt; Haltung und Komposition von Mutter und Kind sowie das Motiv der Blume in ihrer Hand erinnern an frühe Madonnendarstellungen und verleihen dem Bild eine über das Private hinausgehende, zeitlose Dimension. CHF 300 000/400 000 (€ 326 090/434 780)
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