SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026

88 3051 GIOVANNI GIACOMETTI (Stampa 1868–1933 Glion) Nebbia. 1912. Öl auf Leinwand. Unten rechts monogrammiert: G.G. 85 × 80 cm. Provenienz: - Galerie Moos, Genf. - Schweizer Privatsammlung, 1918 in obiger Galerie erworben. - Privatbesitz, Nordamerika, 1924. - Auktion Christie‘s, Zürich, 27.5.2013, Los 95. - Schweizer Privatsammlung, an obiger Auktion erworben. Ausstellung: Genf 1918, Giovanni Giacometti. Otto Vautier. Maurice Sarkissoff, Galerie Moos, 9.4.–8.5.1918, Nr. 74, als „Brouillard d‘hiver“. Literatur: - Giovanni Giacometti: Registro dei quadri, No. 1A, S. 123, Nr. 230. - Paul Müller und Viola Radlach: Giovanni Giacometti. Werkkatalog der Gemälde, Zürich 1997, Bd. II-2, S. 580, Nr. 1912.45. Das vorliegende Werk zeigt den Garten in Stampa ge- genüber dem Geburtshaus des Künstlers an einem Win- tertag. Das Motiv des heimischen Gartens begegnet im Œuvre Giovanni Giacomettis in zahlreichen Variationen und zählt zu seinen wiederkehrenden Sujets. In dieser Darstellung erfährt es jedoch eine besonders spannende Interpretation: Ein kalter Wintertag, an dem der Garten in einen geheimnisvollen violetten Nebel gehüllt ist. Der Nebel taucht Bäume und Ranken in ein zart rosa- farbenes Licht, das den Schnee in ungewöhnlicher Far- bigkeit erscheinen lässt, während die gelbe Mauer im Vordergrund einen wirkungsvollen Kontrast setzt. Die at- mosphärische Wirkung des Nebels, ein zentrales Element in Giacomettis Schaffen, wird hier eindrücklich inszeniert und findet sich in zahlreichen seiner Werke wieder. In ei- nem Brief an Cuno Amiet aus dem März 1912 preist Gi- acometti den anhaltenden Nebel in Stampa: „Man lernt durch das andauern, viele Reize darin zu sehen und man glaubt, dass der Nebel eigentlich noch schöner sei als der brutale Sonnenschein.“ Das Gemälde veranschaulicht exemplarisch Giacomettis künstlerisches Anliegen, das Wechselspiel von Licht und Farbe auszuloten und in eine eigenständige Bildsprache zu überführen. Der dargestellte Garten existiert bis heute in Stampa, wenn auch in leicht verkleinerter Form. CHF 200 000/300 000 (€ 217 390/326 090) Abb. 1: Marco Giacometti, Garten in Stampa, Winter 2026

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