SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026
90 3052 FERDINAND HODLER (Bern 1853–1918 Genf) Der Holzfäller. Um 1910. Öl auf Papier auf Leinwand. Unten rechts signiert: F. Hodler. 47,5 × 40 cm. Provenienz: - Privatsammlung Gertrud Dübi-Müller. - Bedeutende Schweizer Privatsammlung, seit 1974. Literatur: - Jura Brüschweiler: Ferdinand Hodler: Einige Werke aus der Sammlung Karl G. Steiner, Zürich 1981, S. 45 (mit Abb.). - Jura Brüschweiler: Ferdinand Hodler. Sammlung Steiner, Zürich 1997, S. 247. - Oskar Bätschmann und Paul Müller: Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Hrsg. Schweizeri- sches Institut für Kunstwissenschaft, Bd. III-2, Die Figurenbilder, Zürich 2017, S. 397, Nr. 1426 (mit Abb.). Ferdinand Hodler widmete sich dem Motiv des Holzfäl- lers in mehreren Fassungen, die überwiegend um 1910 und in den unmittelbar folgenden Jahren entstanden. Die Komposition, die der Künstler selbst als Sinnbild von Kraft und Dynamik verstand, faszinierte ihn nachhaltig. In ihrer formalen Klarheit ist die Bildidee von bestechender Präg- nanz: Über der Horizontalen des Erdbodens, gerahmt von den vertikalen, parallel zum Bildrand verlaufenden Baum- stämmen, erhebt sich die kraftvolle Diagonale des frontal dargestellten Körpers von links unten nach rechts oben. Diese wird einzig durch die gegenläufigen Diagonalen der Axt und des bereits angeschnittenen Baumes gebrochen. Die daraus resultierende Spannung verleiht der Figur eine ausserordentliche Dynamik und steigert den Ausdruck der körperlichen Anstrengung ins Äusserste (Brüschweiler, 1981). Die verschiedenen Versionen des Themas unterscheiden sich nicht nur in ihren landschaftlichen Hintergründen, sondern auch in den Details der Figur. Das Motiv selbst zählt zu den bekanntesten Schöpfungen Hodlers und entstand 1908 im Zusammenhang mit einem Auftrag der Eidgenössischen Bankenkommission zur Gestaltung von Banknoten. Während der Mäher für die 100-Franken-No- te vorgesehen war, wurde der Holzfäller für die 50-Fran- ken-Note ausgewählt. In der Folge entwickelte Hodler das Sujet in zahlreichen Varianten weiter, die sowohl national als auch international grosse Beachtung fanden und unter anderem auf Ausstellungen der Berliner Secession sowie im Kunsthaus Zürich Anerkennung erfuhren. Die Nach- frage war entsprechend hoch; bereits 1911 erzielte ein Holzfäller den beachtlichen Preis von 15 000 Schweizer Franken, und schon ein Jahr später kursierten erste Fäl- schungen. Die hier angebotene Fassung gehört zu den drei bekann- ten Farbstudien des Holzfällers. Sie zeichnet sich durch eine besonders spontane und lebendige Pinselführung aus und vermittelt unmittelbar den schöpferischen Pro- zess des Künstlers. Für einige der ab 1910 entstandenen Varianten wählte Hodler eine winterliche Landschaft, ver- mutlich angeregt durch einen Aufenthalt in Grindelwald, in dessen Kontext auch diese Studie entstanden sein dürfte. Im Unterschied zu jenen Fassungen, die Hodler mithilfe von Schablonen reproduzierte, dokumentiert dieses Ge- mälde eine eigenständige, intensive Auseinandersetzung mit dem Motiv und kann als vorbereitende Grundlage für spätere Ausführungen gelten. Nicht zuletzt unterstreicht die Provenienz die Bedeutung des Werkes: Es stammt aus der Sammlung der bedeuten- den Hodler-Kennerin Gertrud Dübi-Müller. CHF 250 000/350 000 (€ 271 740/380 430)
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