SCHWEIZER KUNST 26. JUNI 2026
94 3055 FERDINAND HODLER (Bern 1853–1918 Genf) Bildnis einer Unbekannten (Holländerin). Um 1912. Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: F. Hodler. 38 × 32 cm. Provenienz: - Privatbesitz Berthe Hodler-Jacques, Genf, bis 1923. - Galerie am Stadelhofen, Zürich, 1963. - Schweizer Privatbesitz, in obiger Galerie erworben. Literatur: - Carl Albert Loosli: Generalkatalog in: Ferdinand Hodler. Leben, Werk und Nachlass, Suter 1921–24, Nr. 945, als „Holländisches Mädchen“. - Oskar Bätschmann und Paul Müller: Ferdinand Hodler. Catalo- gue raisonné der Gemälde, Hrsg. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Bd. II, Die Bildnisse, Zürich 2012, S. 260, Nr. 903 (mit Abb.). Das hier angebotene Bildnis einer Unbekannten gehört zu den besonders farbintensiven und malerisch freien Porträts Ferdin- and Hodlers. Die Dargestellte erscheint vor einem bei Hodler sel- tenen, warm orangefarbenen Hintergrund, der die kühle Model- lierung von Gesicht und Hals wirkungsvoll hervorhebt. Ihr Kopf ist leicht gewendet, der Blick ruhig und direkt auf den Betrachter gerichtet. Die dunkle, kompakt zusammengefasste Haarpartie bildet einen kräftigen Rahmen für das helle Inkarnat. Auffallend ist die kühne Behandlung der Farbe. Die Gesichtszüge sind nicht weich ausmodelliert, sondern mit pastosem Farbauf- trag und deutlich sichtbaren Pinselspuren aufgebaut. Rosa, Rot, Grün und gelbliche Töne überlagern sich und erzeugen ein le- bendiges Spiel von Licht und Schatten. Besonders das Zusam- menspiel der Komplementärfarben Rot und Grün verleiht dem Porträt eine expressive Spannung, die an die deutschen Expres- sionisten und an die Fauves in Frankreich denken lässt. Hodler löst die Farbe hier weitgehend von einer rein naturalistischen Wiedergabe und setzt sie als eigenständiges Ausdrucksmittel ein. Das Bild steht in Zusammenhang mit der sogenannten „Hollän- derin“, einem Bildnis einer bis heute nicht identifizierten Frau. Auch eine zugehörige Skizze, die sich imMusée d’art et d’histoire in Genf befindet, verweist auf Hodlers Beschäftigung mit diesem Modell und auf die sorgfältige Vorbereitung der Komposition (vgl. Abb. 2 und Zeichnung im Cabinet d‘arts graphiques du Musée d‘art et d‘histoire, Genf). Durch den leuchtenden Hintergrund, die freie Pinselschrift und die intensive farbliche Modellierung zählt das Werk zu den modernsten Porträts von Hodlers Hand. CHF 70 000/100 000 (€ 76 090/108 700) Abb. 2: Ferdinand Hodler. Bildnis Clara Pasche-Battié. 1914. Koller Auktionen, Juli 2021, Los 3041 Abb. 1: Ferdinand Hodler. Studie zu Bildnis einer Unbekannten (Holländerin). Um 1912. Koller Auktionen, März 2024, Los 3451
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