POST-WAR & CONTEMPORARY 25. JUNI 2026

110 3488 BARRY FLANAGAN (1941 North Wales 2009) Jackass and Elephant. 1995. Bronze. 2/8. Mit dem eingegossenen Monogramm: ƒ, sowie mit dem Giessereistempel: Pietrasanta Fine Arts, New York City. 205 × 112 × 56 cm. Provenienz: - Waddington Galleries, London. - Galerie Karsten Greve, St. Moritz, in obiger Galerie 1996 erworben. - Privatsammlung Schweiz, in obiger Galerie 2000 erworben. Die Bronzeplastik “Jackass and Elephant“ von Barry Flanag- an gehört zu den späteren Arbeiten des Künstlers und ver- anschaulicht seinen charakteristischen Umgang mit Figur, Material und Bewegung. Die rund zwei Meter hohe Skulptur kombiniert einen Elefanten als tragende Form mit einem dar- auf sitzenden Esel zu einer ungewöhnlichen, beinahe absur- den Konstellation. Die plastische Ausarbeitung ist bewusst roh gehalten. Die unregelmässige, aufgebrochene Oberfläche lässt den Mo- dellierprozess sichtbar werden und verweist auf Flanagans anhaltendes Interesse an Materialität und Entstehung. Der Bronzeguss erscheint dabei nicht als vollständig geglättete Form, sondern bewahrt Spuren seiner Herstellung. Diese Offenheit knüpft an seine frühen Arbeiten mit vergänglichen Materialien wie Sand, Stoff oder Gips an, mit denen Flanagan seit den 1960er-Jahren die Grenzen der traditionellen Bild- hauerei erweitert. Kompositorisch ist die Skulptur durch ein vertikales Gleichge- wicht bestimmt. Der massive Körper des Elefanten bildet die stabile Basis, während der Esel darüber eine spannungsvolle Gegenbewegung erzeugt. Trotz des materiellen Gewichts entsteht eine überraschende Leichtigkeit, die durch die leicht verschobene Balance der Figuren zusätzlich verstärkt wird. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Stabilität und Bewe- gung ist ein wiederkehrendes Moment in Flanagans Werk. Innerhalb seines Œuvres ist die Arbeit Teil eines erweiterten “Tierkosmos“. Während seine Hasenfiguren ikonischen Sta- tus erlangen, treten auch andere Tiere als bildhauerische Motive auf. Diese sind weniger naturalistisch ausgearbeitet und vielmehr als Träger von Haltung, Präsenz und räumlicher Wirkung konzipiert. Dabei bleibt häufig die subtile Nähe zum Menschlichen erkennbar, ohne dass eine klare Vermenschli- chung stattfindet. Flanagans künstlerische Entwicklung ist von einer Abkehr streng formalistischer Positionen der Nachkriegsmoderne geprägt, wie sie etwa im Umfeld von Anthony Caro vertreten werden, bei dem er auch studiert. Stattdessen entwickelt er offene, prozesshafte Ansätze, in denen Material und Form nicht vollständig vorgegeben sind. Seine intensive Ausein- andersetzung mit Giesstechniken, insbesondere dem Wach- sausschmelzverfahren, ermöglicht es ihm, spontane Model- lierungen in dauerhafte Formen zu überführen. “Jackass and Elephant“ verdeutlicht diese Haltung exempla- risch. Die Skulptur verbindet experimentelle Arbeitsweisen mit einer klaren Formensprache und zeigt Flanagans blei- bende Neugier an Bewegung, Material und der Beziehung zwischen Figur und Raum. CHF 300 000/400 000 (€ 326 090/434 780)

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