POST-WAR & CONTEMPORARY 25. JUNI 2026

118 3496 H.R. GIGER (Chur 1940–2014 Zürich) Die Kraft (Hommage à Picasso). 1989. Acryl auf Papier, fest aufgelegt auf Holz. Verso signiert, betitelt, datiert, mit Mass- und Technikangaben sowie mit Werknummer und Widmung: HR Giger Hommage à Picasso 1989 - Acryl auf Papier auf Holz 100 × 70 cm Werk Nº 622 H Giger 1991 für Gaspare. 100 × 70 cm. Provenienz: - Künstlerstudio. - Privatsammlung Schweiz, direkt vom Künstler 1991 erhalten. - Privatsammlung Schweiz, durch Erbschaft erhalten. Literatur: Akron und H.R. Giger: Baphomet. Tarot der Unterwelt, Neuhausen 1992, S. 228 (mit Abb.). H. R. Gigers “Die Kraft (Hommage à Picasso)“ zeigt in kon- zentrierter Form jene Bildmotive, die sein Werk prägen. Im Zentrum steht eine komplex verschränkte Figurengruppe, in der menschliche Körper mit biomechanischen Elementen verschmelzen. Pablo Picasso erscheint als Figur im Bild, was eine Anspielung auf sein bewegtes Liebesleben nahelegt. Der menschliche Körper erscheint dabei nicht als isolierte Einheit, sondern als Teil eines technischen, maschinenarti- gen Gefüges. Glatte, röhrenartige Strukturen und metallische Oberflächen gehen unmittelbar in organische Formen über, sodass die Grenzen zwischen Körper und Maschine nahezu aufgeho- ben sind. Die Figuren sind eng ineinander verschlungen und erzeugen eine spannungsgeladene Atmosphäre. Typisch für Giger ist die präzise, beinahe klinische Ausarbeitung der De- tails, die dem Bild eine kühle, zugleich technisch anmutende Wirkung verleiht. Der Bezug zu Picasso lässt sich auch formal verstehen. Wäh- rend Picasso den menschlichen Körper zerlegt und aus ver- schiedenen Perspektiven neu zusammensetzt, führt Giger diesen Gedanken weiter, indem er ihn in ein biomechani- sches System integriert. Die Fragmentierung wird hier nicht nur sichtbar gemacht, sondern funktional weitergedacht – der Körper wird zum Bestandteil einer grösseren, technisch bestimmten Struktur. Die Darstellung ist dabei gleichermassen düster und faszi- nierend und steht exemplarisch für Gigers Auseinanderset- zung mit hybriden Formen und existenziellen Grenzzustän- den – Zustände, die auch im 22-teiligen “Baphomet - Tarot der Unterwelt“ aufgegriffen werden, in dem das Motiv in einen erweiterten symbolischen Kontext eingebunden wird und über das Einzelbild hinaus als Teil eines grösseren Zusam- menhangs erscheint. Es steht damit sinnbildlich für Gigers konsequente Erfor- schung einer Wirklichkeit, in der organische und technische Strukturen ineinandergreifen. CHF 50 000/80 000 (€ 54 350/86 960)

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