POST-WAR & CONTEMPORARY 25. JUNI 2026

52 3440 GÜNTHER UECKER (Wendorf 1930–2025 Düsseldorf) Weisses Feld. 1990. Nägel und Acryl auf Leinwand auf Holz. Verso signiert, betitelt, datiert und mit Richtungspfeil: WEISSES FELD 90 uecker. 40 × 40 × 9 cm. Provenienz: - Künstlerstudio. - Privatsammlung Schweiz, direkt vom Künstler erworben. - Privatsammlung Schweiz, von vorherigem Besitzer erworben. - Privatsammlung Schweiz, durch Erbschaft erhalten. Das vorliegende, streng quadratische ”weisse Feld“ des erst im letzten Jahr verstorbenen Künstlers Günther Uecker ent- faltet seine Wirkung aus der Spannung zwischen Ordnung und Irritation. Die homogen weissgraue Fläche – ein Verweis auf die Monochromie der Moderne von Kasimir Malewitsch bis Yves Klein – offenbart sich bei näherer Betrachtung als vibrierendes Gefüge aus eingeschlagenen Nägeln. Deren Anordnung wirkt nicht gewaltsam forciert, sondern eher wie eine auf natürlichemWege rhythmisierte Oberfläche: Ein pul- sierendes Feld, das seine Dynamik zwischen Gemälde und Plastik changierend und insbesondere im Wechselspiel von Licht und Schatten entfaltet. Je nach Standpunkt kippt die Wahrnehmung zwischen Ruhe und Unruhe, zwischen me- ditativer Stille und optischer Bewegung. Die Positionierung der Nägel erscheint zugleich kontrolliert aber auch offen für Zufälligkeit, als folge sie, ganz ähnlich der Meeresoberfläche, einer inneren Logik oder Strömung, die sich dem Blick aber nie vollständig erschliesst. Ueckers Werkgruppe der ”weissen Felder“ steht mit ihrer Verbindung aus radikaler Reduktion und asketischer Ästhetik ganz in der Tradition der ZERO-Bewegung. Seit den frühen 1960er-Jahren treibt der Künstler in seinen Nagelbildern die klassische Malerei richtiggehend aus dem Bildraum hinaus – nicht durch eine räumliche Erweiterung, sondern im Ge- genteil durch motivische Verdichtung, formale Konzentration und materielle Umdeutung: Der Hammer wird zum Pinsel, der Nagel zum Malmedium, und erst im Zusammenspiel von Blickwinkel und Lichteinfall vollendet sich schliesslich das Werk. Die Arbeiten sind dabei jedoch mehr als blosse formale Ex- perimente. Sie zeigen zeitgleich den Akt der Reduktion als auch den der Aufladung: Der Nagel, triviales industrielles Objekt, fungiert hier als Sinnbild für Energie und Zeit; jeder eingeschlagene Metallstift hinterlässt nicht nur eine mate- rielle Spur, sondern erinnert auch stets an die performative Handlung, die ihn platzierte. CHF 80 000/100 000 (€ 86 960/108 700)

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