POST-WAR & CONTEMPORARY 25. JUNI 2026

58 3443* RICHARD PRINCE (Panamakanalzone 1949–lebt und arbeitet in Upstate New York) Untitled (The Band 2). 2007. Acryl und Collage mit Papier auf Leinwand. 2-teilig. Verso signiert und datiert: R Prince 2007. 221 × 275 cm. Provenienz: - Gagosian Gallery, New York City (verso mit dem Etikett). - Sammlung Belgien, in obiger Galerie erworben. Richard Princes ”Untitled (The Band 2)“ gehört zu der be- deutenden Werkgruppe der ”Joke Paintings“, die seit den frühen 1980er-Jahren einen eigenständigen und zugleich provokanten Platz innerhalb der amerikanischen Konzept- kunst einnimmt. In monumentalem Format kombiniert Prin- ce einen zentral gesetzten Textblock mit einem collagierten Bildgrund aus Fotografien der Rockgruppe The Band, die in den 1960er- und 1970er-Jahren mit Bob Dylan auf Tour ist. Die fotografischen Elemente sind mit kalkhaltiger, weisser Farbe überarbeitet, sodass die Gesichter der Bandmitglieder nur fragmentarisch aufscheinen. Die weissen Konturen der Schrift verschränken sich mit gestischen Pinselspuren und treten stellenweise in den Hintergrund, wodurch Text, Bild und malerischer Gestus eng miteinander verwoben werden. Prince greift dabei Elemente der Pop Art, des Abstrakten Expressionismus und des Dadaismus auf, um grundlegende Fragen nach Autorschaft, Bildwürdigkeit und kulturelle Struk- turen zu verhandeln. Der Einsatz von existierendem Bildma- terial und Alltagssprache stellt das etablierte Verständnis von Malerei infrage. Der verwendete Text basiert auf dem banalen, anzüglichen Männerwitz: ”My wife cut down our sex life to once a month, but hey, two guys I know she cut out altogether.“ Solche Witze zirkulieren typischerweise in männlich konnotierten Kommu- nikationsräumen und verweisen auf eine sprachliche Alltag- spraxis, in der sich unbewusste gesellschaftliche und ge- schlechtsspezifische Machtstrukturen manifestieren. Durch die Überführung dieses Materials in den Kontext der Kunst lenkt Prince die Aufmerksamkeit auf Sprache als Träger kul- tureller Codierungen. Die Entwicklung der ”Joke Paintings“ lässt sich bis ins Jahr 1984 zurückverfolgen, als Prince beginnt, Cartoons aus Zeitschriften auf kleine Zettel zu kopieren. Gegen Ende der 1980er-Jahre radikalisiert Prince diesen Ansatz, indem er die zeichnerischen Elemente vollständig eliminiert und sich ausschliesslich auf den Text konzentriert. Die Witze werden verdichtet, auf Leinwand übertragen und in grossem Format präsentiert. Damit transformiert er das ursprünglich intime, oft halb privat erzählte Medium des Witzes in ein öffentlich exponiertes Bildformat und stellt zugleich die Aura der male- rischen Geste sowie die Ökonomie des Kunstmarkts kritisch zur Disposition. In ”Untitled (The Band 2)“ entwickelt Prince diese Strategie weiter. Der Witz erscheint als fortlaufender Blocktext im Zent- rum der Komposition und erinnert formal an die Zahlenbilder von Jasper Johns. Anders als in seinen monochromen ”Joke Paintings“ wird die Lesbarkeit des Textes durch den unruhi- gen Malgrund bewusst erschwert. Text, Bild und malerische Struktur verschmelzen zu einer visuellen Einheit, ohne dass der semantische Gehalt verloren geht. Im Gegenteil: Die not- wendige Anstrengung des Entzifferns lenkt die Aufmerksam- keit der Betrachtenden verstärkt auf den Inhalt. Die fragmen- tarisch sichtbaren, bärtigen Männergesichter verstärken die männliche Codierung des Witzes. Durch die Wiederholung des Witzes im Blockformat verliert die Pointe zunehmend ihren überraschenden Charakter. An ihre Stelle tritt eine kri- tische Reflexion über Geschlechterverhältnisse, Intimität, Machtstrukturen und den Umgang mit Scham innerhalb der (amerikanischen) Gesellschaft. Die intelligente Verschmel- zung konzeptioneller Strategien mit popkulturellen Bezügen, die im einflussreichen Werk von Richard Prince die treibende Kraft ist, wird in ”Untitled (The Band 2)“ überzeugend ausfor- muliert. CHF 300 000/400 000 (€ 326 090/434 780)

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