POST-WAR & CONTEMPORARY 25. JUNI 2026
95 3474 UGO RONDINONE (Brunnen 1962–lebt und arbeitet u.a. in New York City) VIERZEHNTERAUGUSTNEUNZEHNHUNDERTNEUNZIG. 1990. Tinte auf Papier. Verso auf dem Etikett signiert: Ugo Rondinone. 156 × 240 cm. Im originalen Holzrahmen des Künstlers. Provenienz: - Galerie Walcheturm, Zürich. - Privatsammlung Schweiz, in obiger Galerie 1991 erworben. Literatur: Ugo Rondinone: Kiss Now Kill Later, Zürich 2017, S. 96 (mit Abb.). Online-Archiv: ugorondinone.com/artwork/14299/ Mit seinen Waldzeichnungen knüpft Ugo Rondinone an die Tradi- tion romantischer Landschaftsbilder an, in denen Natur weniger als äussere Wirklichkeit denn als Resonanzraum innerer Zustän- de erscheint. Historische Bildformeln werden von ihm aufgegrif- fen, jedoch nicht zitiert, sondern in eine eigenständige, zeitge- nössische Bildsprache überführt. In schwarzer Tinte bildet sich ein dichtes Geflecht aus Stämmen und Ästen, das sich zu einer vibrierenden, beinahe pulsierenden Struktur verdichtet. Doch Rondinones Wald entzieht sich einer rein beobachtenden Perspektive. Er erscheint als imaginierter Raum, in dem sich Wirklichkeit und Vorstellung überlagern Die Natur wird nicht einfach dargestellt, sondern so verändert, dass Vertrautes unge- wohnt erscheint. Zwischen tiefem Schwarz und aufbrechendem Weiss entsteht eine starke Spannung, die zugleich ein Gefühl von Schutz und Unruhe spürbar macht. Das grossformatige Blatt steigert diese Wirkung, indem es die Betrachtenden unmittelbar in den Bildraum hineinzieht und kaumDistanz zulässt. Durch das im Titel festgehaltene Datum er- hält die Zeichnung zudem einen unmittelbaren, tagebuchartigen Charakter. Der Wald erscheint so nicht nur als Motiv, sondern als psychologischer Ort – ein Ort, an dem sich innere Zustände und Natur überlagern. CHF 50 000/80 000 (€ 54 350/86 960)
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