PRINTS & MULTIPLES 25. JUNI 2026
32 3644 ROBERT RAUSCHENBERG (Port Arthur 1925–2008 Captiva Island) Ruminations. 1999. Portfolio mit 9 Farbradierungen. 13/46. Jeweils entlang des unteren Randes mit Bleistift signiert und datiert: RAUSCHENBERG 99. Variierende Darstellungsmasse auf Vélin, min. 50 × 66 cm und max. 117 cm × 147 cm. Erschienen und gedruckt bei Universal Limited Art Editions, West Islip (mit dem Blindstempel). Vollständig. Enthalten sind die Darstellungen: Ace, Big and Little Bullys, Bubba’s Sister, Eagle Eye, Ileana, Jap, John, Tanya und ’topher. Provenienz: - Künstlerstudio. - Galerie Jamileh Weber, Zürich. - Privatsammlung Schweiz, in obiger Galerie 2001 erworben. Literatur: Mimi Thompson: Robert Rauschenberg. Prints from Universal Limited Art Editions 1962–2008, Norman 2011, S. 31 (mit Abb. anderer Exemplare, S.92 ff.). Online-Archiv: Universal Limited Art Editions, ulae.com/artists/robert-rau- schenberg/. Das zwischen 1999 und 2000 entstandene Portfolio ”Rumina- tions“ von Robert Rauschenberg gehört zu den persönlichsten Werkgruppen seines späten Œuvres. In neun Blättern verdichtet der Künstler fotografische Motive aus seinem eigenen Archiv mit Zeitungsausschnitten und Textfragmenten zu vielschichtigen Bildmontagen, die weniger als Einzelporträts im klassischen Sin- ne denn als visuelle Reflexionen über seine familiären, freund- schaftlichen und auch beruflichen Beziehungen zu lesen sind. Der Titel ”Ruminations“, im Sinne von Nachsinnen, verweist da- bei programmatisch auf einen rückblickenden, möglicherweise auch selbstbefragenden Charakter der Reihe. Tatsächlich lässt sich die Serie als eine Art ”soziales Selbstport- rät“ begreifen, in dem sich Rauschenbergs Biografie nicht linear, sondern in Form eines ausgelegten Beziehungsgeflechts entfal- tet. Inhaltlich strukturieren sich die Blätter lose in thematische Gruppen. Ein familiärer Komplex umfasst etwa ”Bubba’s Sister“, das auf seine Schwester Janis Rauschenberg verweist, sowie ”’topher“, in dem sein Sohn Christopher Rauschenberg und die frühere Ehe mit Susan Weil anklingen. Besonders ambivalent er- scheint ”Big and Little Bully’s“, das wohl auf die Eltern des Künst- lers anspielt – ein Titel, der eine spannungsvolle und wenig senti- mental verklärte Beziehung andeutet. Ein zweiter Schwerpunkt gilt prägenden Figuren seines berufli- chen Umfelds. ”Tanya“ würdigt die Druckgrafikerin Tatyana Gros- man, deren Werkstatt ”Universal Limited Art Editions“ entschei- dend zur Entwicklung seiner Druckgrafik beitrug. Mit ”Ileana“ erscheint die Galeristin Ileana Sonnabend, die massgeblich zur Internationalisierung seines Werks beitrug. Ein dritter Komplex versammelt künstlerische Weggefährten, da- runter der Tänzer Steve Paxton, ”Ace“, sowie Jasper Johns, ”Jap“, dessen Beziehung zu Rauschenberg zu den produktivsten und zugleich intimsten Konstellationen der amerikanischen Nach- kriegskunst zählt. ”John“ bezieht sich schliesslich auf den Kom- ponisten John Cage, dessen Konzeptualisierung von Zufall und Prozesshaftigkeit Rauschenbergs Werk nachhaltig beeinflusste. In Blättern wie ”Eagle Eye“ hingegen bleibt die Referenz bewusst offen, oszillierend zwischen konkreter Person, Erinnerung und Metapher. Gerade in dieser Spannung zwischen Benennung und Unbe- stimmtheit liegt die besondere Qualität der Serie. Trotz ihrer scheinbaren Direktheit entziehen sich die Arbeiten einer ein- deutigen Zuweisung und Lesart. Sie wirken bisweilen beinahe bekenntnishaft, ohne jedoch in blosse Sentimentalität zu kippen; vielmehr gelingt es Rauschenberg, persönliche Nähe und kriti- sche Distanz zugleich zu artikulieren. Die Verwendung eigener Fotografien verstärkt dabei den Eindruck eines inneren Archivs, das hier erstmals in dieser expliziten Form geöffnet wird. Entstanden kurz vor dem 75. Geburtstag des Künstlers, kann ”Ruminations“ als kleine und persönliche Retrospektive gelesen werden – als leise, vielschichtige Bilanz eines Werks, das stets von Verschmelzung, Kollaboration und innovativer Kreativität ge- prägt ist. CHF 10 000/15 000 (€ 10 870/16 300)
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